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Amisch
ZurückWas ist amisch? Wer sind Amische?
Die Amischen sind eine Glaubensgemeinschaft, die zu den Täufern gehört. 1693 spalteten sie sich von den Mennoniten ab. Amische leben heute vor allem in den USA, einige auch in Kanada. Sie sind bekannt für ihre traditionelle Lebensweise. Moderne Techniken lehnen sie ab.
Es gibt insgesamt rund 370.000 Amische. Ihr Gründervater ist Jakob Ammann, nach dem sie auch benannt sind. Es gibt viele Untergruppen mit unterschiedlichen Auffassungen über die Lebensweise. Auf Englisch heißen sie Amish.
Merkmale der Amischen Religion
Zur Religion der Amischen gehören mehrere Grundsätze, die sie auch mit den Mennoniten und den Hutterern teilen:
- Erwachsenentaufe (Gläubigentaufe): Amische lehnen die Taufe von Kindern ab. Man soll sich bewusst zum Glauben bekennen können. Nur Erwachsene werden darum getauft.
- Wörtliche Auslegung der Bibel: Nur die Bibel ist die Grundlage des Glaubens.
- Gewaltfreiheit: Amische lehnen Gewalt ab. Sie verweigern daher den Militärdienst und leisten auch keinen Eid. Grundlage hierfür ist die Bergpredigt.
- Absonderung von der Welt: Amische leben bewusst getrennt von der modernen Gesellschaft und ihren Werten, Technologien und Lebensweisen, um ihre Identität als Gemeinschaft zu bewahren. Sie beziehen sich hier mit diesem Grundsatz auf eine Bibelstelle bei Johannes: “In dieser Welt, aber nicht von dieser Welt”.
- Demut und Gelassenheit: Beide sind wichtige Werte.
- Trennung von Kirche und Staat: Es gibt keine Staatsreligion. Die Verwaltung von beiden soll getrennt sein.
- Gemeindeautonomie: Jede Gemeinde entscheidet selbstständig über ihre Angelegenheiten. Ihre Gemeindeordnung kann per Mehrheitsbeschluss geändert werden. Abweichende Meinungen führen zur Bildung neuer Gemeinden.
Wie leben amische Menschen?
Amische Menschen leben sehr traditionell. Sie bleiben unter sich. Sie heiraten auch nur untereinander. Die Rollen von Frauen und Männern sind klar umrissen. Amische Frauen sind zuständig für den Haushalt und die Kindererziehung. Amische Männer arbeiten heute vor allem als Handwerker, insbesondere im Holzbau (Möbel). Einige sind auch noch in der Landwirtschaft tätig, besonders in der Milchviehhaltung. Es gibt auch nicht wenige Geschäftsleute unter ihnen.
Die Gemeinden werden nur von Männern geleitet. Oberster Leiter ist der “völlige Diener”. Er wird per Los bestimmt. In einer Gemeinde leben rund 150 Menschen. Die Siedlungen sind nicht abgegrenzt von den nicht-amischen Nachbarn.
Die Nutzung moderner Technik lehnen Amische ab. Der Besitz von Telefonen, Fernsehern oder Autos ist bei den Amischen nicht erlaubt. Telefone dürfen allerdings benutzt werden, auf jeden Fall in einem Notfall. Dann muss man zu den Nachbarn laufen. Autos dürfen ebenfalls benutzt, aber nicht besessen werden. Sogar Fahrräder sind zum Teil verboten. Oft sieht man Amische in ihren schwarzen Pferdekutschen. Auch das Internet ist bei den Amischen verboten. Es gibt in den Häusern keinen Stromanschluss. Allerdings gibt es zum Beispiel Waschmaschinen. Die werden dann mit Dieselmotoren angetrieben.
Die Amischen tragen auch keine moderne Kleidung. Ihre Kleidung ist schlicht, sie wird auch plain dress genannt. Sie ist einfarbig in gedeckten Farben. Das soll Demut ausdrücken. Männer tragen Anzugjacken mit Stehkragen, Hosen werden mit Hosenträgern gehalten. Auf dem Kopf tragen sie Filz- oder Strohhüte. Amische Frauen tragen Kleider, ebenfalls einfarbig, mindestens bis zum Knie. Dazu tragen sie meistens eine Schürze. Die Schuhe sind flach. Auf den Kopf kommt eine Haube. Ohne das Häubchen geht eine Frau nicht nach draußen.
Verheiratete Männer tragen einen Vollbart, die Haare sind lang. Bei Frauen werden die Haare nicht geschnitten. Sie werden unter der Haube hochgesteckt.
Man darf sich fotografieren lassen, aber nicht dafür posieren.
Kinder besuchen die von den Amischen selbstverwalteten Schulen. Sie lernen dort Lesen, Schreiben und Rechnen. Mit 16 Jahren beginnt die Zeit des Rumspringa. Die Jugendlichen haben nun Freiheiten, die sie später nicht mehr haben werden. Manche feiern dann auch Partys und trinken Alkohol. oder tragen moderne Kleidung, insbesondere die Jungs. Die meisten entscheiden sich dann aber doch für das Leben bei den Amischen. Mit der Taufe werden sie dann Gemeindemitglieder. Man heiratet untereinander, meist innerhalb der gleichen Siedlung.
Gottesdienste finden alle zwei Wochen sonntags in einem der Wohnhäuser statt.
Weil sie von Süddeutschen und Schweizern abstammen und diese Sprache durch ihre abgeschottete Lebensweise bewahrt haben, sprechen sie untereinander ein altertümliches Deutsch. Das nennt man auch Pennsylvania-Deutsch (Pennsylvania Dutch). Durch das Leben in Amerika enthält es aber auch Elemente aus dem Englischen. 7 Prozent der Amischen sprechen hingegen Schweizer oder Elsässer Dialekte. Sie sprechen aber auch Englisch, um mit der Außenwelt kommunizieren zu können.
Geschichte der Amischen
Durch die Reformation, die Martin Luther angestoßen hatte, kam es zu einer kirchlichen Erneuerung. Die protestantische Kirche entstand. Doch auch innerhalb dieser gab es verschiedene Richtungen: Lutheraner, Reformierte und die Täufer. Täufer lehnen die Kindertaufe ab. Darum wurden sie von allen anderen verfolgt. Auch bei den Täufern entstanden verschiedene Gruppen. Eine davon war die der Mennoniten.
Unter den Mennoniten in der Schweiz und im nahen Elsass kam es zum Streit. Die dortigen Mennoniten nannten sich Schweizer Brüder. Einer von ihnen war Jakob Ammann (1644 in der Schweiz geboren). Ammann sprach sich für eine strengere Ausrichtung des Glaubens aus. Er meinte, dass man nur von Gott gerettet und somit in den Himmel käme, wenn man streng nach den Regeln der Mennoniten lebe. Er meinte auch, dass sich viele nicht an die Artikel in ihrem Glaubensbekenntnis hielten. Das war das 1632 verfasste Dordrechter Bekenntnis. Darin stand auch, dass Andersgläubige gemieden werden sollen. Daran hielten sich viele Mennoniten aber nicht.
1693 spalteten sich die Anhänger von Ammann darum von den Mennoniten ab. Ammann gründete dann eine eigene Gemeinde. Seine Anhänger nannten sich nun nach ihrem Anführer Amische. Ammann sprach sich auch für eine strenge Kleiderordnung aus und legte fest, wie ein Bart zu tragen sei. 1712 verstreute sich seine Gemeinde dann aber, weil die Verfolgung wieder zunahm. Amische gingen zum Beispiel nach Lothringen, ins Saarland, nach Bayern oder in die Pfalz, also in deutsche Gebiete.
Im 18. Jahrhundert wanderten die ersten Amischen nach Nordamerika aus. Sie zogen aus der Pfalz nach Pennsylvania. Dort hatten schon andere Auswanderer die Kultur der Pennsylvania-Deutschen gegründet. Die Auswanderer fanden dort gute Lebensbedingungen vor, denn William Penn garantierte ihnen dort Religionsfreiheit. Der Quäker Penn hatte dort 1681 die britische Kolonie Pennsylvania gegründet.
Zwischen 1815 und 1860 kam eine zweite Welle von Amischen nach Amerika, nunmehr nicht nur aus der Pfalz, sondern aus allen Gebieten, wo sie in Europa lebten. Dort lösten sich die meisten Gemeinden auf. Von denen, die da blieben, wurden viele mit der Zeit zu Mennoniten. Die letzte amische Gemeinde in Deutschland löste sich 1937 in Ixheim auf. In Europa gibt es seit 1941 keine Amischen mehr. Dort befand sich die letzte Gemeinde in Luxemburg.
Ab 1862 kam es wieder zu Konflikten über die Ausrichtung des Glaubens. Und so spaltete man sich erneut. Für die besonders strenge Auslegung waren die Amischen alter Ordnung. Auch sie spalteten sich wieder in mehrere Untergruppen. Diejenigen, die moderner leben wollten, gingen in den folgenden Jahrzehnten wieder zu den Mennoniten oder nahmen das amerikanische Leben an.
Heute gibt es amische Siedlungen in 30 US-Bundesstaaten, u.a. in Pennsylvania, Ohio und Indiana. In Kanada leben Amische in drei Provinzen (Ontario, Manitoba und Prince Edward Island).

