Lexikon
Hutterer
ZurückWer sind die Hutterer?
Die Hutterer sind eine religiöse Gemeinschaft, die zu den Täufern zählt. Das haben sie mit den Mennoniten und den Amischen gemeinsam. Im Unterschied zu diesen ist für die Hutterer die Gütergemeinschaft ihr wichtigstes Element im Glauben. Es gibt bei ihnen also kein Privateigentum.
Jakob Hutter gründete die Gemeinschaft. Alle Täufer wurden in Europa schon nach ihrer Gründung im 16. Jahrhundert verfolgt. Heute leben Hutterer nur noch in den USA und Kanada. Es gibt rund 58.000 Hutterer.
Warum wurden Hutterer verfolgt?
Mit dem Thesenanschlag durch Martin Luther hatte die Reformation 1517 begonnen. Schnell gewann Luther viele Anhänger. Einigen gingen seine Forderungen aber nicht weit genug oder sie entwickelten andere Ideen. Zu ihnen gehörten die Täufer. Alle Täufer haben gemeinsam, dass sie eine Taufe von Kindern ablehnen. Sie meinen, dass sich ein Mensch bewusst für den Glauben entscheiden soll. Darum taufen sie nur Erwachsene. Das nennt man darum auch Gläubigentaufe.
Die Hutterer wurden von der katholischen und der protestantischen Kirche verfolgt. Sie hielten die Täufer für Ketzer, also Andersgläubige, die vom rechten Glauben abwichen. Abfällig nannte man sie Wiedertäufer. Sie meinten, dass eine erneute Taufe als Erwachsener gegen Gott verstoße.
Die allererste Gläubigentaufe soll am 21. Januar 1525 in Zürich stattgefunden haben. Das war also die Geburtsstunde der Täuferbewegung. Doch auch sie spaltete sich noch einmal in etwas unterschiedliche Richtungen. In Norddeutschland und den Niederlanden taten sich die Mennoniten zusammen. Ihr Anführer war Menno Simons. In Tirol und Süddeutschland entwickelte sich Jakob Hutter zur führenden Persönlichkeit.
Jakob Hutter wurde um 1500 im heutigen Südtirol geboren. Er wurde zunächst ein Hutmacher, schloss sich dann aber den Täufern an und begann zu predigen. Als die Täufer ab 1529 in Tirol verfolgt wurden, zogen viele von ihnen nach Mähren. Denn dort gab es noch keine Verfolgung der Täufer. Auch aus Süddeutschland gingen viele Täufer nach Mähren (heute im Osten von Tschechien). Hutter zog 1533 dorthin und baute eine Gemeinschaft auf. 1535 ging Hutter ging nach Tirol. Dort wurde er verhaftet und hingerichtet. So wurde er zum Märtyrer.
Der Weg der Hutterer von Europa nach Amerika
Immer wieder wurden die Hutterer vertrieben. Auch in Mähren wurden sie 1622 gezwungen weiterzuziehen. Viele gingen in die heutige Slowakei, manche auch nach Siebenbürgen. Beide Gebiete gehörten damals zu Ungarn. Die Hutterer litten im Dreißigjährigen Krieg jedoch häufig unter Überfällen von Marodeuren. Dazu kamen die Bemühungen der Gegenreformation, viele Menschen für den katholischen Glauben zurückzugewinnen. Im 18. Jahrhundert zogen die Hutterer aus Siebenbürgen weiter in die Walachei (heute Rumänien). Doch dort verloren sie ihren Besitz in den Wirren des Krieges zwischen Russen und Osmanen.
So ging es schon 1770 weiter, und zwar nach Russland. Im heutigen Gebiet der Ukraine, 100 Kilometer östlich von Kiew, bauten sich die Hutterer erneut eine Siedlung. Mehr als 100 Jahre blieb man hier. Allerdings spaltete sich die Gemeinschaft, denn einige wollten nicht weiter auf Eigentum verzichten (Eigentümler), andere die Gütergemeinschaft behalten (Gemeinschaftler).
Als aber 1874 in Russland die Wehrpflicht eingeführt wurde, entschlossen sich die Hutterer wie die Mennoniten, nach Nordamerika auszuwandern. Denn sie lehnen jegliche Gewalt und somit auch den Militärdienst ab. Zwischen 1874 und 1879 wanderten die Hutterer in drei Wellen nach Amerika aus. Dadurch entstanden drei Untergruppen, nämlich die Schmiedeleut, die Dariusleut und die Lehrerleut (benannt nach den Berufen bzw. Namen ihrer jeweiligen Anführer). Sie gründeten in South Dakota neue Siedlungen.
Im Ersten Weltkrieg (1914-1918) weigerten sich die Hutterer, Soldaten zu werden. Die Kriegsdienstverweigerer wurden schlecht behandelt. So beschloss man erneut, weiterzuziehen, nämlich nach Kanada. Im und nach dem Zweiten Weltkrieg wurden aber dann auch in den USA neue Siedlungen gegründet.
Hutterer in Kanada und in den USA
Nur in diesen beiden Ländern leben die Hutterer heute noch, nach wie vor in drei Untergruppen. Sie leben eher abgeschottet unter sich. Alle heutigen Hutterer sind Gemeinschaftler. In Kanada leben rund 72 Prozent aller Hutterer, in den USA 28 Prozent. Es gibt 544 Kolonien mit jeweils etwa 120 Bewohnern. Wächst eine Siedlung zu stark, gründet eine Hälfte der Mitglieder eine neue Siedlung. Welche Familien das sind, wird ausgelost.
Hutterer leben traditionell. Es gibt Berufe für Männer im Handwerk und in der Landwirtschaft, während Frauen zuständig sind für das Kochen, Nähen oder die Krankenpflege. Die Familien sind groß. Häufig gibt es in einer Familie mehr als zehn Kinder. Man heiratet untereinander. Am traditionellsten leben die Lehrerleut.
Hutterer leben vor allem von der Landwirtschaft. Hierbei nutzen sie aber auch moderne Methoden. Die Siedlungen oder Gemeinden werden auch als Kolonien oder Bruderhöfe bezeichnet. Ein Bruderhof ist immer gleich aufgebaut. Es gibt Wohnhäuser, Wirtschaftsgebäude, einen Kindergarten und eine Schule.
Die Sprache der Hutterer ist Hutterisch. Es ist ein altertümliches Hochdeutsch mit süddeutschem Dialekt sowie einzelnen englischen Wörtern.
Der Glaube der Hutterer
Wichtige Grundsätze im Glauben der Hutterer sind:
- Erwachsenentaufe (Gläubigentaufe): Man soll sich bewusst zum Glauben bekennen können. Daher wird die Kindertaufe abgelehnt.
- Wörtliche Auslegung der Bibel: Die Bibel allein ist die Grundlage des Glaubens.
- Gütergemeinschaft: Der Besitz gehört allen. Begründet wird das mit einer Bibelstelle aus der Apostelgeschichte des Lukas, wo es heißt: “Und alle, die da gläubig geworden waren, taten ihren ganzen Besitz zusammen.”
- Gewaltfreiheit: Hutterer lehnen Gewalt und somit auch den Militärdienst ab. Grundlage hierfür ist die Bergpredigt.
- Bilderverbot: Lehrerleut und Dariusleut lehnen sogar Fotografien von sich ab und wollen zum Beispiel keine Passfotos von sich machen lassen.
- Gesang: Gesang spielt im Gemeindeleben eine wichtige Rolle.
