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Mennoniten

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Wer sind die Mennoniten?

Die Mennoniten sind eine evangelische Freikirche. Sie zählen zu den Täufern - wie die Hutterer und die Amischen. In der Reformation ging ihnen Martin Luther nicht weit genug. Die Mennoniten lehnten die Kindstaufe ab. Jeder Erwachsene sollte sich bewusst für die Taufe entscheiden.

Sie forderten aber auch brüderliche Gleichheit, was die absolute Herrschaft von Staat und Kirche ausschloss. Sie beziehen sich in ihrem Glauben allein auf die Bibel. Eine wichtige Stellung nimmt für sie die Bergpredigt ein. Mennoniten wurden schon im 16. Jahrhundert in Europa verfolgt.
 

Der Namensgeber: Menno Simons

Ihren Namen leiten die Mennoniten von Menno Simons ab. 1496 wurde er in Friesland geboren. Er studierte Theologie und wurde 1524 Priester. Schon bald kam er mit den Schriften Martin Luthers und anderer Reformatoren in Kontakt. Obwohl Luthers Bücher bald verboten waren, studierte Simons sie weiter. Was die Kindstaufe betraf, hatte er jedoch eine andere Meinung als Luther.

So schloss sich Menno Simons 1536 den Täufern an. Er verfasste Schriften, reiste umher und erwarb sich unter den Täufern schnell großes Ansehen. So nannte sich die Täufer in den Niederlanden und Norddeutschland bald schon Mennoniten. Anders als andere Täufergruppen schloss Simons Gewalt als Mittel aus.

Verfolgt wurden er und seine Anhänger dennoch. Wer gefasst wurde, wurde hingerichtet. Auch Simons war also vom Tode bedroht und so floh er immer wieder. Seine letzte Zuflucht fand er bei Bad Oldesloe. Nach seinem Tod 1561 wurde er dort bei der sogenannten Mennokate begraben.
 

Grundsätze der Mennoniten

Wichtige Grundsätze bei den Mennoniten sind:

  • Erwachsenentaufe (Gläubigentaufe): Man soll sich bewusst zum Glauben bekennen können. Daher wird die Kindertaufe abgelehnt. 
  • Gewaltfreiheit: Mennoniten lehnen den Militärdienst ab. Viele engagieren sich für den Frieden.
  • Gemeindeautonomie: Jede örtliche Gemeinde entscheidet weitgehend selbstständig über ihre Angelegenheiten.
  • Trennung von Staat und Kirche: Der Staat verhält sich hinsichtlich der Religion neutral. Es gibt keine Staatsreligion. Die Verwaltung von beiden ist getrennt.
     

Geschichte der Mennoniten

Entstanden ist die Täuferbewegung schon 1525 in Zürich. Menno Simons ist daher nicht ihr Gründer, sondern der Namensgeber einer Richtung der Täufer. Sie nannten sich auch deshalb Mennoniten, weil es zu ihrem Schutz war. So waren sie nicht sofort als “Täufer” zu erkennen, außerdem wurde damit signalisiert, dass sie friedfertig waren.

Verfolgt wurden sie trotzdem. Bedroht von Ausweisung, Folter und Tod wanderten viele Mennoniten aus. Schon im 16. Jahrhundert zog es viele an die Weichsel. An ihren neuen Wohnorten gab es jedoch häufig einen Militärdienst, den Mennoniten aufgrund ihres Glaubens ablehnen. So zogen sie dann oft weiter.

Im 18. Jahrhundert wanderten besonders viele von ihnen nach Nordamerika oder nach Russland aus und von dort ebenfalls weiter nach Nordamerika. Man nennt sie darum auch Russlandmennoniten. Nach 1990 kamen viele von ihnen aus Russland nach Deutschland. Im 20. Jahrhundert wurden auch in Südamerika viele Mennonitengemeinden gegründet. Missionare sorgten dafür, dass auch in Afrika heute viele Mennoniten leben.

Von den Mennoniten in der Schweiz und im Elsass spalteten sich im Jahr 1693 die Amischen ab. Sie lehnen bis heute moderne Technik ab und fahren zum Beispiel mit Pferdekutschen. Amische leben nur noch in den USA.

Mennoniten leben heute auf sehr verschiedene Weise. Es gibt Gemeinschaften, die sehr von der Welt abgewandt leben, aber genauso solche, die eine moderne Lebensweise pflegen. Insgesamt gibt es weltweit rund 2,3 Millionen Mennoniten. In Deutschland leben rund 60.000 bis 80.000 Mennoniten.