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Was ist eigentlich Kapitalismus?

Was hat dieser Schlitten mit dem Kapitalismus zu tun? Lies einfach den Text![ © pixabay.com ]

Stell dir vor, du willst einen Schlitten bauen, bei dem dir deine Mitschüler helfen, weil du alleine das gar nicht könntest. Du selbst stellst aber alle die Mittel zur Verfügung die für den Bau nötig sind, also die Werkzeuge, das erforderliche Holz, einen Ort, an dem man den Schlitten in Ruhe basteln kann, wie die Garage deiner Eltern - dann bist du der Unternehmer.

Denn wenn der Schlitten fertig ist, legst du den Preis fest und verkaufst ihn übers Internet. Dafür bekommst du einen guten Preis. Mit deinen Freunden wurde ausgemacht, dass sie eine kleine Entlohnung erhalten. Glücklicherweise konntest du den Schlitten sehr gut verkaufen, damit hast du einen einen sehr guten Gewinn gemacht, auch Profit genannt. Hättest du den Schlitten allerdings nicht verkaufen können, z.B. in einem Winter, in dem kein Schnee liegt, dann wärst du auf dem Schlitten sitzengeblieben und hättest auch alleine das Risiko getragen.

Somit bist du der Kapitalist. Der streicht eben den Gewinn ein, trägt aber auch das Risiko, während die "Arbeiter", also deine Mitschüler, kein Risiko hatten, aber auch nur einen kleinen Anteil am Gewinn. Das ist natürlich etwas vereinfacht, aber das Grundprinzip des Kapitalismus.

George Westinghaus - der Mann auf dem Foto - war ein Unternehmer in Amerika, er lebte von 1842 bis 1912.

Was ist also ein Unternehmer?

Die Unternehmer besitzen die Produktionsmittel. So wie du alle Werkzeuge usw. für den Schlitten dein Eigen nennen konntest. Er entscheidet auch, was genau mit diesen Produktionsmitteln passiert, wie viele und welche Produkte damit hergestellt werden und wer diese Produkte am Ende zu welchem Preis genau abnimmt.

Ein Unternehmer kann übrigens eine einzelne Person sein, aber auch mehrere Personen, die sich zu einer "Gesellschaft" zusammenschließen. Die meisten Unternehmer haben es sich zum Ziel gesetzt, möglichst viel Geld zu verdienen. Die Produktionsmittel sind privat, der Markt richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Wollen viele Leute also Schlitten kaufen, dann bekommt der Unternehmer einen guten Preis, sind es nur wenige, bleibt er auf seinen Schlitten sitzen.

Wann war der Hochkapitalismus?

Geld verdienen zu wollen, ist zunächst einmal keine schlimme Sache. Die Frage ist dabei nur, ob die Leute, die dem Unternehmer helfen und letztlich die Waren herstellen, also die Arbeiter, dafür einen gerechten Lohn bekommen oder nicht.

In engem Zusammenhang mit dem Kapitalismus steht die Zeit der Industrialisierung, also die Zeit, in der man immer mehr dazu überging, Waren in Fabriken herzustellen und dabei auch Maschinen zum Einsatz kamen. Das ist schon eine ganze Weile her und war im 18. und 19. Jahrhundert. Das nennt man auch die Zeit des Hochkapitalismus.

Viele Arbeiter wurden zur Zeit der Industriellen Revolution schlecht bezahlt und fristeten ein mieses Dasein mit ihrer Familie. [ © gemeinfrei ]

Was hat der Kapitalismus mit der Industriellen Revolution zu tun?

Man nennt das auch die "Zeit der Industriellen Revolution". Dies war gleichzeitig die Blütezeit des Hochkapitalismus. Damals hatten viele Menschen unter den Arbeitsbedingungen in den Fabriken zu leiden. Sie bekamen wenig gezahlt, wurden nicht geschützt und besaßen fast keine Rechte. Sie lebten in großer Armut und hatten Probleme, ihre Familien zu ernähren. Während die Arbeiter arm blieben, wurden die Fabrikbesitzer reich.

Diese Unternehmer hat man auch als "Kapitalisten" bezeichnet. Diese nutzten die Arbeiter aus und beuteten sie aus. Die Kritiker sagen, alles drehte sich nur um Gewinn und Wachstum. Diejenigen, die die Produkte herstellen, würden nicht entsprechend entlohnt. Das ist übrigens auch heute noch einer der wesentlichen Kritikpunkte am Kapitalismus.

Doch es gab auch damals Menschen, die diese Zustände kritisierten und die Arbeiter unterstützen wollten. Einer dieser Kritiker war Karl Marx, der war ein Denker und gleichzeitig Philosoph.  Er hat gemeinsam mit Friedrich Engels darüber nachgedacht, wie man die Situation der Arbeiter verbessern könnte.

Was wollte Karl Marx?

So sah Karl Marx aus. [ © gemeinfrei ]

Karl Marx wollte vor allem Gerechtigkeit und dass die Ausbeutung der Arbeiter durch die Unternehmer (sprich Kapitalisten) aufhören sollte. Er strebte die "klassenlose Gesellschaft" an.

Was soll eine klassenlose Gesellschaft sein?

Das hat nichts mit deiner Klasse zu tun. Wie du gelesen hast, waren auf der einen Seite die Arbeiter, die für ihre Arbeit zu wenig Lohn bekamen, und auf der anderen Seite die Unternehmer, die immer reicher wurden. Das waren Klassen. Diese Klassen wollte Marx aufheben. Die Produktionsmittel sollten allen gehören und der Gewinn sollte auch allen gehören.

Das klingt gerecht, oder? Bleiben wir beim Beispiel des Schlittens, da hätten alle letztlich die Werkzeuge, das Holz, die Schrauben und was man sonst noch so braucht gemeinsam zahlen müssen und die Produktionsmittel hätten damit auch allen gehört. Am Ende hättet ihr gemeinsam den Schlitten verkauft und den Gewinn untereinander geteilt. Wäre der Schlitten nicht verkauft worden, dann hätten alle in die Röhre geguckt. 

Und wie ging es nun weiter mit dem Kapitalismus?

Am Ende kam es tatsächlich zu Reformen. Es entstanden die Gewerkschaften, die sich verstärkt für die Rechte der Arbeiter einsetzten. Auch der Staat versuchte die Entwicklungen zu steuern. Und es entstand auch die Gegenbewegung zum Kapitalismus, der Kommunismus. Vielleicht nicht so ganz, wie es sich Marx gedacht hatte.

Ist der Kapitalismus nur blöde?

Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Es gibt hierzu ganz viele unterschiedliche Meinungen. Einmal ist der heutige Kapitalismus ein anderer als zur Zeit der Industriellen Revolution. Und es gibt ganz verschiedene Formen in ganz unterschiedlichen Systemen, Kapitalismus ist in Demokratien genauso möglich wie in Diktaturen.

Die einen sagen, der Markt muss frei sein und die Unternehmen ohne Einschränkungen handeln dürfen, und die anderen, dass der Staat eingreifen und möglichst alles regulieren muss, mit dem Ziel, Gerechtigkeit zu schaffen. Das mal ganz vereinfacht. Wie so oft liegt die Wahrheit vielleicht irgendwo in der Mitte. Konkurrenz und Wettbewerb spornen manchmal auch an und sind nicht immer schlecht. Du wolltest den besten Schlitten bauen, um ihn auch gut verkaufen zu können und nicht irgendeinen.

Marx, der ja die klassenlose Gesellschaft anstrebte, wollte übrigens möglichst gar keinen Staat.

Der Kapitalismus hat sich durchgesetzt

Graffiti gegen den Kapitalismus. "Smash" bedeutet "zerschlagen".[ © Sascha Grosser / CC BY-SA 4.0 ]

Trotz aller Kritik hat sich der Kapitalismus durchgesetzt, trotz all seiner Schattenseiten wie Niedriglohn, Umweltzerstörung oder Ausbeutung. In Amerika hätte man nur wenig Probleme damit, als "Kapitalist" bezeichnet zu werden. Bei uns hier in Deutschland bleibt da ein negativer Beigeschmack, weil es immer auch um "Ausbeutung" geht, und keiner will ja gerne jemand sein, der andere Menschen ausbeutet. 

Wenn alles nur auf den wirtschaftlichen Gewinn hin ausgerichtet wird, ohne Rücksicht auf die Menschen, die Umwelt und die Gesellschaft, und der reine Profit in den Mittelpunkt rückt und nur wenige etwas davon haben, dann ist das sicher schlecht. Deshalb versucht man heute - wie man so schön sagt, den "Kapitalismus" zu zügeln, also zu begrenzen und zu kontrollieren. Doch das gelingt leider nicht immer, denn die Kluft zwischen denen, die etwas besitzen, und denen, die arm sind und ausgebeutet werden, wächst auf der ganzen Welt, auch in den reichen Ländern. Heute wird der Begriff Kapitalismus auch häufig mit "Globalisierung" in Zusammenhang gesetzt.