Österreichs Flagge Österreich

Geschichte Österreichs von 1918 bis heute

Die Karte zeigt die Aufteilung der Österreichisch-Ungarischen Monarchie gemäß den Pariser Vorortverträgen nach dem Ersten Weltkrieg.[ © AlphaCentauri / CC BY-SA 3.0 ]
Aufteilung der Österreichisch-Ungarischen Monarchie gemäß den Pariser Vorortverträgen nach dem Ersten Weltkrieg
Engelbert Dollfuß wurde 1932 Bundeskanzler.[ © Wikimedia, gemeinfrei ]
Engelbert Dollfuß

(Erste) Republik Österreich (1918-1933)

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde Österreich nun geteilt. Die neu gegründete Tschechoslowakei erhielt Böhmen und Mähren. Das übrige Gebiet wurde zur Republik Deutschösterreich. Deutschösterreich musste außerdem Gebiete abgeben, die dann zu Italien kamen (zum Beispiel Südtirol und Istrien), und solche, die zu neu entstehenden Ländern kamen, nämlich zu Polen (Galizien) und zum Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen. Das Burgenland, zuvor zu Ungarn gehörend, wurde Österreich zugesprochen. In den Verträgen, die die Siegermächte mit den Besiegten schlossen, wurde 1919 außerdem festgelegt, dass sich Deutschösterreich nun Republik Österreich nennen sollte.

Die Wirtschaft lag nach dem Krieg am Boden. Es gab viele Arbeitslose, es kam zur Inflation. Nur eine Währungsreform konnte noch helfen. So wurde die "Krone" 1925 durch den "Schilling" ersetzt. Es gab zahlreiche neue Gesetze, darunter auch das Adelsaufhebungsgesetz. Damit wurde der Adel abgeschafft, die Adelsbezeichnung "von" durfte nicht mehr im Namen geführt werden (anders als in Deutschland).

Politisch war die Zeit  - wie in Deutschland - nicht stabil. Der Kurs war unklar, es gab Aufstände von beiden Enden des politischen Spektrums aus. 1932 wurde Engelbert Dollfuß Bundeskanzler.

Bei den Februarkämpfen standen sich die Anhänger des Ständestaats und Sozialdemokraten gegenüber.[ © Bundesarchiv, Bild 102-00805 / CC BY-SA 3.0 ]
Februarkämpfe 1934 in Wien

Ständestaat (1933-1938)

Dollfuß schaltete im März 1933 das Parlament aus und regierte nun diktatorisch. Er stand dem italienischen Faschismus nah, lehnte aber den Nationalsozialismus in Deutschland ab. Er und seine Partei, die Christlichsoziale Partei,  forderten die Errichtung eines Ständestaates. Dieser Staat sollte nach Berufsgruppen organisiert werden, politische Parteien und ein Parlament sollte es nicht geben.

Demgegenüber standen die Sozialdemokraten. Im Februar 1934 fanden bewaffnete Kämpfe beider Gruppen statt, bei denen mehrere hundert Menschen starben. Die SPD wurde verboten. Dollfuß rief am 1. Mai den Ständestaat aus. Im Juli 1934 wurde Dollfuß von Nationalsozialisten ermordet, der Ständestaat aber existierte weiter.

Hitler verkündet vom Balkon der Hofburg in Wien den jubelnden Massen den Anschluss Österreichs am 15. März 1938. [ © Bundesarchiv, Bild 183-1987-0922-500 / CC BY-SA 3.0 de ]
Verkünddung des Anschlusses Österreichs durch Hitler

Teil des Deutschen Reiches (1938-1945)

Im März 1938 marschierte Deutschland in Österreich ein. Damit wurde der Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich vollzogen. Sofort begann nun auch hier die Judenverfolgung. Unterstützung fand die Willkürherrschaft bei zahlreichen Anhängern des Nationalsozialismus wie Arthur Seyß-Inquar.

Mit dem Vorrücken der Roten Armee im April 1945 endete die nationalsozialistische Herrschaft in Österreich. Am 27. April 1945 erklärte sich Österreich wieder für unabhängig. Im Mai endete der Zweite Weltkrieg mit der Kapitulation des Deutschen Reiches.

Österreich wurde nach dem Krieg bis 1955 in vier alliierte Besatzungszonen aufgeteilt. Auch Wien war in vier Sektoren geteilt. Das Stadtzentrum wurde im monatlichen Wechsel von allen Besatzungsmächten verwaltet.[ © Maximilian Dörrbecker (Chumwa) / CC BY-SA 3.0 ]
Besatzungszonen in Österreich

Nachkriegszeit (1945-1955)

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Österreich in den Grenzen von 1938 wiederhergestellt. Wie Deutschland wurde auch Östereich von den Siegermächten  in vier Besatzungszonen geteilt. Ebenso wurde Wien geteilt.

Die erste Regierung wurde von den drei Parteien ÖVP, SPÖ und KPÖ gebildet, erster Bundeskanzler wurde Leopold Figl von der ÖVP. 1955 erlangte Österreich schließlich seine volle Souveränität zurück. Das Land bekannte sich zur Neutralität und verpflichtete sich, keinen erneuten Anschluss an Deutschland anzustreben.

Bruno Kreisky war von 1970 bis 1983 Bundeskanzler von Österreich.[ © Votava / CC BY-SA 2.0 ]
Bruno Kreisky 1983
Franz Vranitsky war von 1986 bis 1997 Bundeskanzler von Österreich.[ © Mathias Huter / Wikimedia, gemeinfrei ]
Franz Vranitsky

Das weitere 20. Jahrhundert

Südtirol, das bis 1918 zu Österreich gehört hatte und nach dem Ersten Weltkrieg dann von Italien besetzt wurde, erhielt 1969 weitreichende Autonomie innerhalb Italiens. Dieser Autonomiestatus wurde 1972 noch einmal erweitert. Der Streit um Südtirol wurde danach beigelegt.

Ab 1966 regierte die christdemokratische ÖVP, von 1970 bis 1983 die SPÖ unter dem Bundeskanzler Bruno Kreisky. Eine Volksabstimmung lehnte 1978 die Nutzung von Kernenergie ab. In Österreich wird darum keine Atomkraft genutzt.

Ab 1983 regierte die SPÖ zusammen mit der FPÖ. Diese Koalition wurde 1986 beendet, nachdem der rechte Politiker Jörg Haider zum Vorsitzenden gewählt worden war. 1986 wurde Kurt Waldheim zum neuen Bundespräsidenten gewählt. Diese Wahl war sehr umstritten, denn es gab Vermutungen, dass Waldheim an NS-Kriegsverbrechen beteiligt gewesen war (Waldheim-Affäre).

Von 1987 bis 2000 bildeten SPÖ und ÖVP wieder eine große Koalition. 1995 trat Österreich der Europäischen Union bei.

Von 2008 bis 2016 war Werner Faymann österreichischer Bundeskanzler.[ © Olaf Kosinsky / CC BY-SA 3.0 de ]
Werner Faymann
Christian Kern wurde 2016 Kanzler.[ © Manfred Werner - Tsui / CC BY-SA 3.0 ]
Christian Kern

21. Jahrhundert

2002 ersetzte der Euro den Schilling als Zahlungsmittel.

Zwischen 2000 und 2007 regierte die ÖVP zusammen mit der FPÖ, einer rechtspopulistischen Partei. Das bedeutet, dass diese Partei politisch rechts steht und sich gegen Fremde und Ausländer wendet. Die übrigen EU-Staaten reagierten darauf zunächst mit dem Einfrieren der diplomatischen Beziehungen. Man befürchtete, dass fremdenfeindliche und rassistische Aussagen der FPÖ-Politiker auf die Arbeit der österreichischen Regierung abfärben könnten. Im September 2009 wurden diese Maßnahmen jedoch wieder aufgehoben, da sich diese Befürchtung nicht bewahrheitete.

Seit 2007 gibt es wieder eine große Koalition aus ÖVP und SPÖ. Bundeskanzler waren Wolfgang Schüssel (ÖVP), Alfred Gusenbauer (SPÖ) und Werner Faymann (SPÖ).

Im Mai 2016 trat Faymann wegen der schlechten Wahlergebnisse seiner Partei zurück. Sein Nachfolger wurde Christian Kern. Im Dezember 2017 wurde Sebastian Kurz neuer österreichischer Bundeskanzler.

1 2 3
letzte Aktualisierung am 06.04.2020