Österreichs Flagge Österreich

Geschichte Österreichs vom 19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg

Das Gemälde zeigt Kaiser Franz I. und seine Familie im Jahr 1826. Links sitzt Kaiserin Karoline Auguste, neben ihr steht Franz I. Der 2. von rechts ist Kronprinz Ferdinand, der 1835 den Thron bestieg.[ © Wikimedia, gemeinfrei ]
Gemälde von Leopold Fertbauer (1802–1875): Kaiser Franz I. und seine Familie

Kaisertum Österreich (1804-1867)

1792 kam Franz II. auf den römisch-deutschen Thron. Er war der letzte Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. 1804 krönte sich Napoleon zum Kaiser der Franzosen. Er forderte, dass Österreich den Kaisertitel anerkennen solle. Im Gegenzug könne Franz dann Kaiser von Österreich werden. Franz nahm dies an. Er begründete so das Kaisertum Österreich, das er als Franz I. regierte. Er wird darum manchmal als Franz II./I. bezeichnet.

1835 folgte ihm sein Sohn Ferdinand als Ferdinand I. auf den Thron. Er blieb kinderlos und übergab den Thron führungsschwach 1848 an seinen Neffen, den Sohn seines Bruders. So wurde Franz Joseph I. Kaiser von Österreich. Er heiratete Elisabeth von Bayern (Sisi), die als Sissi durch die spätere Verfilmung mit einer berühmten Schauspielerin, die Romy Schneider hieß, bekannt wurde.

Kaiser Franz Joseph I. regierte fast 68 Jahre lang.[ © Wikimedia, gemeinfrei ]
Kaiser Franz Joseph I. um 1910

Österreich war ein Vielvölkerstaat, in dem viele Sprachen gesprochen wurden. Ab 1815 gehörte es zum Deutschen Bund. Fürst von Metternich wurde schon 1809 Außenminister von Österreich und stieg zu einem der mächtigsten Männer Europas auf. Sein Ziel war die Restauration - er wollte die alte Ordnung wiederherstellen und die absolute Monarchie erhalten.

In der Revolution von 1848/49, die auch in Österreich stattfand, wurde Metternich verjagt. Die Menschen forderten Demokratie und Unabhängigkeit. Mit der Übernahme des Throns durch Franz Joseph I. wurde die Revolution beendet.

Preußen und Österreich rangen nun um die Vorherrschaft im Deutschen Bund. 1866 kam es zum Deutschen Krieg. Preußen und seine Verbündeten gewannen und der Deutsche Bund löste sich auf. Unter Führung Preußens entstand nördlich der Mainlinie der Norddeutsche Bund. Aus diesem wurde 1871 das Deutsche Kaiserreich. Damit hatte die "kleindeutsche Lösung" gesiegt, also ein Deutsches Reich ohne Österreich.

Franz Joseph I. war durch diese Ereignisse politisch geschwächt und wurde gezwungen, einige tiefgreifende Reformen durchzuführen. So stimmte er schließlich auch zu, eine österreichische Volksvertretung zu schaffen. Österreich wurde zur konstitutionellen Monarchie.

Doppelmonarchie Österreich-Ungarn (1867–1918)

Das Gemälde zeigt die Krönung von Franz Joseph I. und seiner Gemahlin Elisabeth zum Königspaar von Ungarn im Jahr 1867.[ © Wikimedia, gemeinfrei ]
Gemälde der Krönung von Franz Joseph I. und seiner Gemahlin Elisabeth zum Königspaar von Ungarn im Jahr 1867
Die Karte zeigt in den roten Umrissen Österreich-Ungarn im Jahr 1899. Bosnien-Herzegowina gehörte ebenso zum Land wie Böhmen und Mähren, die Gebiete der späteren Tschechoslowakei.[ © Wikimedia, gemeinfrei ]
Karte von Österreich-Ungarn 1899
So sah das Wappen von Österreich-Ungarn aus, wie es zwischen 1915 und 1918 verwendet wurde.[ © Wikimedia, gemeinfrei ]
Wappen von Österreich-Ungarn 1915-1918

Österreich wandte sich nun mehr seinen Gebieten im Südosten und Osten zu. Mit Ungarn tat es sich 1867 zur Doppelmonarchie Österrreich-Ungarn zusammen. So wurde der lange währende Widerstand der Ungarn gegen die habsburgische Herrschaft gebrochen. Zugleich behauptete sich Franz Joseph I. im europäischen Machtgefüge, nachdem es keine großdeutsche Lösung gegeben hatte. Gemeinsame Einrichtungen beider Länder erhielten nun den Zusatz k.u.k. für "kaiserlich und königlich".

Der Größe nach war Österreich-Ungarn nun der zweitgrößte Staat Europas, von der Bevölkerung her der drittgrößte. Viele Völker lebten hier. Das brachte Probleme mit sich.

1878 besetzte Österreich-Ungarn Bosnien-Herzegowina, das 1908 schließlich ganz dem Staat einverleibt wurde. Zuvor hatte das Gebiet noch offiziell zum Osmanischen Reich gehört. Diese Annexion rief Proteste nicht nur der Osmanen, sondern auch in Russland und im Königreich Serbien hervor, denn in Bosnien-Herzegowina lebten vor allem Südslawen. Die so ausgelöste Bosnische Krise bedeutete erhöhte Kriegsgefahr. Der Ausbruch wurde schließlich verhindert, weil Russland sich nicht in der Lage sah, gegen den Zweibund (Österreich-Ungarn und Deutsches Reich) zu kämpfen und Frankreich keine Unterstützung anbot. Das Osmanische Reich wurde durch eine Geldzahlung entschädigt.

Eine Geheimorganisation im Königreich Serbien wollte Bosnien-Herzegowina befreien und mit Serbien und Montenegro vereinen. Darum wurde im Attentat von Sarajewo der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand (ein Neffe von Franz Joseph I.) ermordet. Das war der Auslöser für den Ersten Weltkrieg: Österreich-Ungarn bat das Deutsche Reich um Unterstützung und erklärte Serbien den Krieg. Russland unterstützte nun Serbien und erklärte Österreich-Ungarn den Krieg. Russland war selbst mit Frankreich und Großbritannien verbündet und so standen die ersten der Kriegsparteien fest.

1916 starb Kaiser Franz Joseph I. Da er keine eigenen Söhne hatte, wurde nun sein Großneffe als Karl I. österreichischer Kaiser.

1918 endete der Erste Weltkrieg mit dem Sieg der Entente und seiner Verbündeten. Die politische Landkarte Europas veränderte sich dadurch enorm. Ungarn trat aus der Realunion mit Österreich aus.  Das war das Ende der Doppelmonarchie. Der Kaiser dankte formell nicht ab, trat aber von seinen Regierungsgeschäften zurück und reiste schließlich in die Schweiz aus. Eine Rückkehr nach Österreich wurde ihm nicht gestattet.

Wie es nach 1918 weiterging, erfährst du auf Seite 3.

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letzte Aktualisierung am 06.04.2020