Ungarns Flagge Ungarn

Geschichte von Ungarn von 1867 bis heute

Österreich-Ungarn (1867-1918)

So sah das Wappen von Österreich-Ungarn aus. Man kann die beiden Kronen gut erkennen, links die Kaiserkrone, rechts die ungarische Stephanskrone.[ © Wikimedia, gemeinfrei ]
Wappen von Österreich-Ungarn

1867 kam es zum Österreichisch-Ungarischen Ausgleich: Aus dem Kaisertum Österreich wurde die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Der Herrscher war nun Kaiser von Österreich und zugleich König von Ungarn. Franz Joseph I. hatte sich zu diesem Schritt gezwungen gesehen, um den ungarischen Widerstand zu brechen, aber auch, um sich nach dem verlorenen Krieg gegen den Deutschen Bund ein Jahr zuvor zu behaupten. Bis zu seinem Tod 1916 blieb Franz Joseph auf dem Thron, dann folgte ihm sein Großneffe Karl I.

Ungarn war in dieser Zeit wesentlich größer als das heutige Staatsgebiet. Es umfasste auch Kroatien und Slowenien, Siebenbürgen (heute in Rumänien) und die Karpatenukraine (heute Ukraine). Viele verschiedene Völker lebten damals in Ungarn, was immer wieder zu Spannungen führte.

Ungarn wird Republik (1918)

Nach dem Ersten Weltkrieg löste sich Österreich-Ungarn auf. Klick zum Vergrößern![ © AlphaCentauri / CC BY-SA 3.0 ]
Die territoriale Aufteilung Österreich-Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg

Ungarn löste sich am Ende des Ersten Weltkrieges von Österreich, als ungarische Soldaten an der italienischen Front meuterten. Karl I. löste die Realunion auf. Nachdem Kaiser Wilhelm II. im Deutschen Reich abgedankt hatte, erklärte auch Karl I. am 13. November seinen Rückzug. Drei Tage später wurde die demokratische Republik Ungarn ausgerufen.

In Folge des Ersten Weltkrieges, aus dem Österreich-Ungarn zusammen mit dem Deutschen Reich als Verlierer hervorging, wurden Europas Grenzen jedoch gänzlich neu gezogen. Die Slowakei, die tausend Jahre zu Ungarn gehört hatte, schloss sich Tschechien an. Ungarn musste außerdem das Burgenland an Österreich abtreten und Siebenbürgen an Rumänien.

Miklós Horthy wird Staatsoberhaupt

Miklós Horthy[ © Wikimedia, gemeinfrei ]
Miklós Horthy

Es folgten unruhige Zeiten. Nach einer demokratischen Regierung folgte eine kommunistische Räterepublik. Ungarn versuchte nun, Siebenbürgen militärisch wiederzuerlangen und führte Krieg gegen Rumänien, musste sich aber schnell geschlagen geben. Im November 1919 erlangte Miklós Horthy die Macht und wurde schließlich zum Reichsverweser gewählt, das heißt zum Vertreter eines Königs. Er führte zwar formell die Monarchie wieder ein, übergab die Macht aber nicht an Karl, der im Exil war. Mit den Friedensverträgen wurde Ungarn dann sogar verboten, die Monarchie wieder einzuführen.

Horthy war faktisch das Staatsoberhaupt Ungarns und blieb dies bis 1944. Er regierte autoritär. Ab 1933 näherte sich Ungarn dem nationalsozialistischen Deutschland an, das mit zwei Schiedssprüchen 1938 und 1940 Ungarn Teile der zuvor verlorenen Gebiete nun wieder zusprach, nämlich die südliche Slowakei und das nördliche Siebenbürgen.

Im Zweiten Weltkrieg kämpfte Ungarn an der Seite des Deutschen Reiches, schlug sich aber nach schweren Verlusten auf die andere Seite. Daraufhin besetzten die Deutschen Ungarn im März 1944. Die jüdische Bevölkerung Ungarns wurde deportiert und umgebracht. Horty wollte im Herbst 1944 kapitulieren, wurde aber festgenommen und abgesetzt. Doch die russische Rote Armee rückte immer weiter vor und eroberte im "Kampf um Ungarn" das Land. Die Besetzung durch die Sowjetunion war am 4. April 1945 abgeschlossen.

Ungarische Volksrepublik

Nach dem Zweiten Weltkrieg ergriffen die Kommunisten die Macht und Ungarn geriet unter sowjetischen Einfluss. Das Land wurde zu einer Volksrepublik und Teil des Ostblocks.

1956 kam es am 23. Oktober zum Ungarischen Volksaufstand, in dem schließlich die Regierung abgesetzt und eine neue, demokratische Regierung unter Ministerpräsident Imre Nagy eingesetzt wurde. Nach wenigen Tagen wurde der Aufstand von sowjetischen Truppen, die einmarschierten, blutig niedergeschlagen. Nagy wurde hingerichtet.

Neuer Staatschef wurde János Kádár, der das Amt bis 1988 innehatte, also 32 Jahre lang! Der Sozialismus wurde in Ungarn in einer etwas abgemilderten Form praktiziert. Politisch, wirtschaftlich und kulturell war man liberaler als in anderen sozialistischen Ländern. Das wurde als "Gulaschkommunismus" bezeichnet.

Denkmal der Grenzöffnung beim Paneuropäischen Picknick in Fertőrákos am 19. August 1989[ © Fekist / CC BY-SA 4.0 ]
Denkmal der Grenzöffnung während des Paneuropäischen Picknicks in Fertőrákos am 19. August 1989

Das Ende der kommunistischen Herrschaft in Ungarn

Ab 1987 bildeten sich Oppositionsgruppen, 1988 musste Kádár zurücktreten. Über den weiteren Kurs herrschte keine Einigkeit, doch schließlich setzten sich die durch, die für Demokratie eintraten.

Am 27. Juni 1989 tat Ungarn einen wichtigen Schritt zur Auflösung des Eisernen Vorhangs: Zusammen mit seinem österreichischen Amtskollegen zerschnitt der ungarische Außenminister Guyla Horn den Stacheldraht zwischen den beiden Ländern. Schon im Mai hatte man mit dem Abbau der Grenzanlagen begonnen. Nun folgte ein wahrer Flüchtlingsstrom von DDR-Bürgern nach Ungarn. Eine symbolische Öffnung des Grenzzauns im August führte zu einer Fluchtwelle nach Österreich. Ab dem 11. September ließ Ungarn schließlich alle ausreisewilligen DDR-Bürger nach Österreich ausreisen. Alle diese Maßnahmen waren ein wichtiger Teil zur Beendigung des Kalten Krieges.

Am 23. Oktober 1989 wurde schließlich die dritte Republik Ungarn ausgerufen.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán (2015)[ © European People's Party / CC BY-2.0 ]
Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán (2015)

Republik Ungarn (seit 1989)

Im ungarischen Parlament kam es seit 1990 immer wieder zu wechselnden Mehrheiten. Die Partei Ungarisches Demokratisches Forum stellte bis 1994 die Regierung, verlor ihre Rolle dann aber an die Fidesz-Partei. Sie wird als konservative Partei rechts der Mitte eingestuft.

1998 wurde Viktor Orbán von der Fidesz-Partei Ministerpräsident. Er blieb bis 2002 im Amt und wurde 2010 erneut gewählt. Orbán Flüchtlingspolitik will den Zuzug von Flüchtlingen nach Ungarn komplett verhindern. Die Grenzen Ungarns auf der Balkanroute wurden schwer befestigt, um den Zugang von Flüchtlingen zu verhindern. Orbán wird vorgeworfen, Ungarn mehr und mehr autoritär zu regieren und Menschenrechte einzuschränken. 2012 trat eine neue Verfassung in Kraft. Im März 2020 stimmte das Parlament in Budapest wegen der Coronakrise einem Notstandsgesetz zu, nach dem Orbán nun per Dekret regieren kann. Er erhält damit umfassende Macht.

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letzte Aktualisierung am 08.04.2020