Bolivien
Boliviens Wirtschaft: Erdgas, Sojabohnen – und Coca
Insgesamt wächst die Wirtschaft von Bolivien. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) steigt seit Jahren. Doch es gibt auch Probleme. Ausländische Unternehmen sind wenig bereit, in Bolivien Firmen aufzubauen, zum Beispiel im Bergbau. Die Staatsverschuldung ist hoch. Auch die Armutsquote ist zu hoch.
Erdgas ist in Bolivien ein wichtiger Bodenschatz. Die Hälfte aller Exportgewinne stammten zeitweise aus Erdgasverkäufen, vor allem an Argentinien und Brasilien. Die Erdgasindustrie wurde 2006 verstaatlicht. Da es an Investitionen mangelt, sanken sowohl Produktion als auch Exporte von Erdgas seit 2014 aber wieder. Nach Argentinien wird zudem seit 2024 nicht mehr exportiert, da das Land nun selbst Erdgas fördert. 2024 hatte Erdgas nur noch einen Anteil von 18 Prozent bei den Einnahmen aus dem Export.
Enge wirtschaftliche Beziehungen gibt es zu Venezuela und Kuba, die zum Beispiel große Mengen der in Bolivien produzierten Sojabohnen kaufen. Die drei Länder gründeten 2006 den "Handelsvertrag der Völker". Vereinbart wurde darin auch eine Unterstützung in Technik und Bildung. Sie erheben untereinander keine Zölle. 2011 wurde der Vertrag neu gefasst, 2023 wurde die Zusammenarbeit mit Venezuela bekräftigt. Durch die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in den Ländern ist die Bedeutung des Vertrages aber zurückgegangen. Bolivien ist zudem Mitglied im MERCOSUR.
Landwirtschaft in Bolivien
Knapp 30 Prozent der Bolivianer arbeiten in der Landwirtschaft. Für die Wirtschaftsleistung des Landes macht sie aber jedes Jahr nur 13 bis 14 Prozent aus. Angebaut werden Sojabohnen, Quinoa, Zuckerrohr, Kaffee, Kakao, Mais, Reis, Weizen und Kartoffeln. Weltweit produziert Bolivien die meisten Paranüsse knapp nach Brasilien. Bei Sojabohnen steht das Land auf Platz 10. Sie sind Boliviens wichtigstes landwirtschaftliches Erzeugnis - neben Coca.
Coca
Cocapflanzen werden in Bolivien traditionell angebaut. Die Blätter werden von den Indios gekaut oder sie bereiten einen Tee daraus. Das hilft nämlich dabei, dass man Kälte und Hunger nicht so spürt. Es hilft auch dabei, die Höhenkrankheit zu überwinden. Man bleibt wacher. Allerdings kann man aus den Cocablättern auch Kokain herstellen, eine gefährliche Droge. In Coca-Cola werden übrigens keine Cocablätter mehr verwendet, aber bis etwa 1929 waren sie ein Grundstoff des Getränks und gaben ihm den vorderen Namensteil.
Was wird in Bolivien noch angebaut?
Große Flächen gibt es auch für Cocasträucher. Bolivien ist nach Kolumbien und Peru der drittgrößte Produzent von Cocapflanzen weltweit – aber auch von Kokain, einer gefährlichen Droge. Und das verstößt natürlich gegen das Gesetz. In den 1980er Jahren hat man versucht, Flächen für Coca zu vernichten und den Bauern Anreize geboten, eher Kaffee oder Zitrusfrüchte anzupflanzen. Das hat aber auf Dauer nicht geklappt, denn mit Coca verdienten sie einfach mehr Geld.
Im Hochland betreiben viele Kleinbauern Landwirtschaft, um sich selbst zu ernähren. Nur kleine Erträge werden auf dem Markt verkauft. Das nennt man Subsistenzwirtschaft.
Das Gegenstück dazu sind große Plantagen. Angebaut werden dort zum Beispiel Bohnen, Kohl, Süßkartoffeln, Maniok, Tomaten und Kichererbsen. Früchte sind Papaya, Orangen, Äpfel, Kirschen, Feigen, Ananas und Bananen.
Viehhaltung in Bolivien
Die Bolivianer halten auch Vieh, vor allem Rinder, aber auch Hühner, Schweine, Ziegen und Schafe.
Dazu kommen im Hochland Lamas, Alpakas und Vicunjas. Sie essen deren Fleisch und verarbeiten von den Alpakas vor allem die Wolle.
Industrie und Bergbau in Bolivien
Die Industrie erwirtschaftet rund 30 Prozent, obwohl nur 22 Prozent der Bolivianer hier arbeiten. Bergbau (vor allem für Eisenerz, Zink und Zinn) und die Verhüttung von Eisen sind wichtige Bereiche. Silber hat seine hohe Bedeutung verloren, doch ist Bolivien immer noch unter den Top Ten der Förderländer weltweit. In den letzten Jahren hat es seine Position sogar wieder verbessert. 2024 lag das Land an 5. Stelle. Gefördert werden aber auch Gold, Blei, Antimon und Wolfram (fünftgrößter Produzent weltweit 2023). Für den Export spielt Gold eine große Rolle.
Außerdem verarbeitet man in Fabriken Lebensmittel wie Sojabohnen, Zuckerrohr und Sonnenblumenkerne. Auch Metalle werden verarbeitet und Kleidung hergestellt.
Lithium
Lithium ist ein Leichtmetall. Man benötigt es für Batterien und Akkus. Lithiumbatterien und -akkus werden vor allem in Handys, Kameras, Tablets und Notebooks eingesetzt.
Ein Bodenschatz, der große Gewinne bringen könnte, wäre Lithium, das unter dem Salzsee Salar de Uyuni lagert. Es ist das weltweit größte Vorkommen dieses Leichtmetalls. Allerdings würde eine Lithiumförderung diese einzigartige Naturlandschaft zerstören.
Dienstleistungen und Tourismus in Bolivien
Dienstleistungen erwirtschaften in Bolivien jedes Jahr 51 bis 56 Prozent vom BIP. Zu den Dienstleistungen gehören der Handel, also alle Arten von Geschäften, Restaurants, Banken, Transport, Energie (also Strom) und auch der gesamte Tourismus mit Hotels und Reiseanbietern. Der Tourismus wächst zwar, spielt aber insgesamt noch eine geringe Rolle. 2023 kamen etwa eine Million Besucher nach Bolivien.



