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Boliviens Wirtschaft: Erdgas, Sojabohnen – und Coca

Erdgas ist heute Boliviens wichtigster Bodenschatz. Die Hälfte aller Exportgewinne stammt aus Erdgasverkäufen, vor allem an Argentinien und Brasilien. Fallende Gaspreise wirken sich dann aber auch schnell schlecht auf die Wirtschaft aus. Die Erdgasindustrie wurde 2006 verstaatlicht.

Insgesamt wächst die Wirtschaft von Bolivien. Doch es gibt auch Probleme. Ausländische Unternehmen sind wenig bereit, in Bolivien Firmen aufzubauen, zum Beispiel im Bergbau.

Enge wirtschaftliche Beziehungen gibt es zu Venezuela und Kuba, die zum Beispiel große Mengen der in Bolivien produzierten Sojabohnen kaufen. Die drei Länder gründeten 2006 den "Handelsvertrag der Völker". Vereinbart wurde darin auch eine Unterstützung in Technik und Bildung. Sie erheben untereinander keine Zölle.

Landwirtschaft in Bolivien

Knapp 30 Prozent der Bolivianer arbeiten in der Landwirtschaft. Für die Wirtschaftsleistung des Landes macht sie aber nur 13,8 Prozent aus. Angebaut werden Sojabohnen, Quinoa, Zuckerrohr, Kaffee, Kakao, Mais, Reis, Weizen und Kartoffeln. Weltweit produziert Bolivien die meisten Paranüsse knapp nach Brasilien. Bei Sojabohnen steht das Land auf Platz 10. Sie sind Boliviens wichtigstes landwirtschaftliches Erzeugnis - neben Coca.

Coca

Cocapflanzen werden in Bolivien traditionell angebaut. Die Blätter werden von den Indios gekaut oder sie bereiten einen Tee daraus. Das hilft nämlich dabei, dass man Kälte und Hunger nicht so spürt. Es hilft auch dabei, die Höhenkrankheit zu überwinden. Man bleibt wacher. Allerdings kann man aus den Cocablättern auch Kokain herstellen, eine gefährliche Droge. In Coca-Cola werden übrigens keine Cocablätter mehr verwendet, aber bis etwa 1929 waren sie ein Grundstoff des Getränks und gaben ihm den vorderen Namensteil.

Große Flächen gibt es auch für Cocasträucher. Bolivien ist nach Kolumbien und Peru der drittgrößte Produzent von Cocapflanzen weltweit – aber auch von Kokain, einer gefährlichen Droge. Und das verstößt natürlich gegen das Gesetz. In den 1980er Jahren hat man versucht, Flächen für Coca zu vernichten und den Bauern Anreize geboten, eher Kaffee oder Zitrusfrüchte anzupflanzen. Das hat aber auf Dauer nicht geklappt, denn mit Coca verdienten sie einfach mehr Geld.

Im Hochland betreiben viele Kleinbauern Landwirtschaft, um sich selbst zu ernähren. Nur kleine Erträge werden auf dem Markt verkauft. Das nennt man Subsistenzwirtschaft.

Das Gegenstück dazu sind große Plantagen. Angebaut werden zum Beispiel Bohnen, Kohl, Süßkartoffeln, Maniok, Tomaten und Kichererbsen. Früchte sind Papaya, Orangen, Äpfel, Kirschen, Feigen, Ananas und Bananen.

Viehhaltung in Bolivien

Die Bolivianer halten auch Vieh, vor allem Rinder, aber auch Hühner, Schweine, Ziegen und Schafe. Dazu kommen im Hochland Lamas, Alpakas und Vicunjas. Sie essen deren Fleisch und verarbeiten von den Alpakas vor allem die Wolle.

Industrie in Bolivien

Die Industrie erwirtschaftet 38 Prozent, obwohl nur 22 Prozent der Bolivianer hier arbeiten. Bergbau (vor allem für Eisenerz, Zink und Zinn) und die Verhüttung von Eisen sind wichtige Bereiche. Silber hat seine hohe Bedeutung verloren, doch ist Bolivien immer noch zehntgrößter Förderer weltweit (2020). Gefördert werden aber auch Gold, Blei, Antimon und Wolfram (viertgrößter Produzent weltweit 2020).

Außerdem verarbeitet man Lebensmittel wie Sojabohnen, Zuckerrohr und Sonnenblumenkerne. Auch Metalle werden verarbeitet und Kleidung hergestellt.

Lithium

Lithium ist ein Leichtmetall. Man benötigt es für Batterien und Akkus. Lithiumbatterien und -akkus werden vor allem in Handys, Kameras, Tablets und Notebooks eingesetzt.

Ein Bodenschatz, der große Gewinne bringen könnte, wäre Lithium, das unter dem Salzsee Salar de Uyuni lagert. Es ist das weltweit größte Vorkommen dieses Leichtmetalls. Allerdings würde eine Lithiumförderung diese einzigartige Naturlandschaft zerstören.

Dienstleistungen und Tourismus in Bolivien

Nur bei den Dienstleistungen passt das Verhältnis: 48 Prozent arbeiten in diesem Bereich und 48 Prozent werden auch erwirtschaftet. Zu den Dienstleistungen gehören der Handel, also alle Arten von Geschäften, Restaurants, Banken, Transport, Energie (also Strom) und auch der gesamte Tourismus mit Hotels und Reiseanbietern. Der Tourismus wächst zwar, spielt aber insgesamt noch eine geringe Rolle. 2018 kam etwa eine Million Besucher nach Bolivien. 

letzte Aktualisierung am 24.07.2023