San Marinos Flagge San Marino

So stellte sich der Maler Guercino im 17. Jahrhundert Marinus vor.[ © Wikimedia, gemeinfrei ]
Marinus auf einem Gemälde

Legendäre Anfänge

Der Legende nach soll San Marino von einem Mann namens Marinus (auf Italienisch Marino) gegründet worden sein. Der war Steinmetz und kam von der Insel Rab (heute kroatisch) nach Rimini.

Doch Marinus war Christ und im Römischen Reich wurden zu dieser Zeit noch Christen verfolgt, nämlich unter Kaiser Diokletian. So floh Marinus am 3. September 301 auf den nah gelegenenen Berg, den Monte Titano. Andere Christen gesellten sich zu ihm und bildeten eine Gemeinschaft.

Nach dem Ende der Christenverfolgung im Jahr 311 wurde Marinus vom Bischof von Rimini Gaudentius sogar zum Diakon ernannt. Der Berg wurde ihm geschenkt. Nach dem Tod von Marinus im Jahr 366 wurde die Republik San Marino gegründet.

Aufstieg der Republik und die Capitani Reggenti

Auf dem Gipfel des Monte Titano entstand eine der drei Festungen.[ © Quelle: pixabay.com ]
Burg in San Marino

Unbehelligt lebte die Gemeinschaft in den nächsten Jahrhunderten auf ihrem Berg. Im 10. Jahrhundert begann man mit dem Bau von drei Burgen als Festungsanlagen. Im 13. Jahrhundert war San Marino eine blühende Stadtrepublik. Die Bevölkerung wuchs und man kaufte Land um den Berg dazu. Gesetzesbücher regelten selbst die Müllentsorgung. Auch eine kleine Armee gab es.

Im Jahr 1243 wurden erstmals zwei Capitani Reggenti gewählt, und zwar immer nur für sechs Monate. Übersetzt bedeutet das "Regierende Hauptmänner". Man folgte hier dem Vorbild des Römischen Reichs mit zwei regierenden Konsuln. Die beiden Capitani sind das Staatsoberhaupt von San Marino. Dieses Prinzip hat man bis heute beibehalten.

Unabhängigkeitskämpfe

Im Jahr 1600 trat eine neue Verfassung in Kraft.[ © Wikimedia, gemeinfrei ]
Verfassung von San Marino von 1600

In vielen italienischen Städten spielte der Gegensatz zwischen Kaiser und Papst eine große Rolle. Viele Auseinandersetzungen fanden zwischen ihren Anhängern statt. Man teilt sie in die kaiserfreundlichen Ghibellinen und die papsttreuen Guelfen.

In San Marino lebten mehr Ghibellinen, die nun im 13. Jahrhundert die Guelfen verbannten. Das führte dazu, dass der Papst die San Marinesen mehrfach exkommunizierte (aus der Kirche ausschloss). Zwar wurde dies immer wieder aufgehoben, doch der Frieden wollte nicht so schnell wieder einkehren. Es gab zudem mehrere Versuche, San Marino einzunehmen, etwa durch die guelfische Familie Malatesta, die im nahen Rimini regierte.

Obwohl Papst Bonifatius VIII. schließlich die Unabhängigkeit San Marinos anerkannte, kam es auch in der Folge zu weiteren Versuchen, den kleinen Staat einzunehmen - jedoch erfolglos. Im 15. Jahrhundert kam es noch einmal zum Krieg, den San Marino gewann. Mehrere umliegende Burgen wie Fiorentino und Faetano kamen zum Gebiet San Marinos dazu. 1600 trat eine neue Verfassung in Kraft.

Auch während Napoleons Vorherrschaft über Italien ab 1796 blieb San Marino frei. Der Wiener Kongress legte nach dem Ende seiner Herrschaft fest, dass der alte Zustand in Italien wiederhergestellt werden sollte - und so blieb San Marino auch nun unabhängig.

San Marino im 19. und 20. Jahrhundert

Im Zweiten Weltkrieg erklärte sich San Marino für neutral. Das bekräftigten auch Schilder an der Grenze.[ © Sanmarinosite.com / CC BY-SA 3.0 ]
Schild an der Grenze von San Marino im Zweiten Weltkrieg

Auch als 1861 das Königreich Italien entstand, blieb San Marino davon unberührt und unabhängig. Schon 1862 schloss man Verträge mit Italien ab, die beide Länder als gleichberechtigt darlegten.

Wie in Italien kamen auch in San Marino Faschisten an die Macht, und zwar 1923. Trotzdem blieb man im Zweiten Weltkrieg neutral. 1943 löste sich die faschistische Partei San Marinos auf, kurz nachdem auch Mussolini gestürzt worden war. Das kleine Land nahm nun bis zu 100.000 Flüchtlinge auf. 1944 warfen die Briten mehrere Bomben über San Marino ab, obwohl man neutral war und das Staatsgebiet durch große weiße Kreuze markiert worden war. 60 Menschen starben. Deutsche und alliierte Truppen kämpften noch einmal um das Gebiet, ehe die Briten es schließlich im September einnahmen. Bis November blieben sie, auch um die Rückführung der Flüchtlinge zu organisieren.

Das ist der Thron der Capitani Reggenti in der Basilika von San Marino.[ © Radomil / CC BY-SA 3.0 ]
Thron der Capitani Reggenti

Heute

Der Tourismus nahm nach dem Zweiten Weltkrieg eine immer größere Rolle ein. Obwohl hier nur rund 33.000 Menschen leben, kommen jedes Jahr etwa zwei Millionen Besucher. Das Land ist schuldenfrei und bietet seinen Bürgern seit 1975 kostenlose medizinische Versorgung an.

San Marino hat noch immer zwei Staatsoberhäupter, die jeweils für sechs Monate regieren. So wird die Macht geteilt. Diese Capitani Reggenti werden vom Parlament gewählt. Am 1. April und 1. Oktober eines jeden Jahres werden sie in ihr Amt eingeführt. Regierungschef ist immer der Außenminister des Landes.

letzte Aktualisierung am 07.04.2020