Türkei
Schule in der Türkei: Grundschule und Mittelschule
In der Türkei gilt heute eine zwölfjährige Schulpflicht (aktualisiert 2025). Sie wurde im Jahr 2012 eingeführt. Das Schulsystem ist seitdem in drei Abschnitte aufgeteilt: 4 + 4 + 4 Jahre. Die Schullaufbahn beginnt mit der vierjährigen Grundschule (İlkokul). Danach gehen die Kinder vier Jahre auf die Mittelschule (Ortaokul). Anschließend folgt eine vierjährige weiterführende Schule.
| Schulstufe | Dauer |
|---|---|
| Grundschule | 4 Jahre |
| Mittelschule | 4 Jahre |
| Weiterführende Schule | 4 Jahre |
Der Unterricht an staatlichen Schulen ist kostenlos. Familien müssen jedoch oft für Dinge wie Schuluniformen, Hefte oder zusätzliche Materialien bezahlen. Trotz Schulpflicht gehen nicht alle Kinder regelmäßig zur Schule. Besonders in ländlichen Regionen im Osten und Südosten der Türkei haben manche Familien Schwierigkeiten, ihren Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen. Gründe können Armut, lange Schulwege oder fehlende Infrastruktur sein.
Weiterführende Schulen in der Türkei
Nach der Mittelschule wechseln die Schülerinnen und Schüler auf eine weiterführende Schule. Diese dauert normalerweise vier Jahre.
Es gibt verschiedene Schulformen:
- Allgemeinbildende Gymnasien (Lise)
- berufliche und technische Schulen
- religiöse Schulen (Imam-Hatip-Schulen)
Viele dieser Schulen verlangen eine Aufnahmeprüfung. Schülerinnen und Schüler müssen also bestimmte Testergebnisse erreichen, um einen Platz zu bekommen.
Neben den staatlichen Schulen gibt es auch Privatschulen. Diese sind meist sehr gut ausgestattet, kosten jedoch viel Geld. Deshalb können sie vor allem Kinder aus wohlhabenderen Familien besuchen.
Wer später studieren möchte, muss zusätzlich eine zentrale Aufnahmeprüfung für Universitäten bestehen.
Berufsausbildung in der Türkei
Viele Jugendliche entscheiden sich nach der Schule für eine Berufsausbildung. Diese dauert meist zwischen drei und vier Jahren. Während der Ausbildung arbeiten die Jugendlichen in einem Betrieb und lernen dort einen Beruf. Der erfahrene Handwerker wird oft Meister, der Auszubildende Lehrling genannt – ähnlich wie in Deutschland.
Nach einigen Jahren können die Lehrlinge zu Gesellen (Kalfa) werden. Mit genügend Erfahrung und einer weiteren Prüfung ist es später möglich, selbst Meister zu werden und eine eigene Werkstatt zu eröffnen.
Veränderungen im Bildungssystem
Das türkische Bildungssystem wird immer wieder reformiert. In den letzten Jahren hat man versucht, praktische Ausbildung und Schulunterricht stärker zu verbinden. Ein Ziel ist ein System, bei dem Jugendliche im Betrieb arbeiten und gleichzeitig Unterricht in der Schule erhalten. So sollen sie sowohl praktische Erfahrung als auch theoretisches Wissen bekommen.
Allerdings ist es für manche kleine Handwerksbetriebe schwierig, dieses System vollständig umzusetzen. Deshalb wird weiterhin darüber diskutiert, wie die Berufsausbildung in der Türkei verbessert werden kann.
Türkei als EU-Mitglied?
Die EU hat strenge Vorschriften, wie sich ein Land, das Mitglied werden will, in vielen Bereichen zu verhalten hat. Das gilt auch für den Bereich Bildung. Religionsfreiheit muss gewährleistet sein und in einem Land, das allen Kindern verpflichtend nur eine Religion unterrichtet, ist das ja nicht der Fall. Ab 2011 wurde die AKP aber immer radikaler und sie verfolgten andere Ziele als nur die Aufnahme in die EU. Die Schulbücher, die erst von der Regierung genehmigt werden müssen, bevor sie an die Schulen kommen, waren sehr einseitig. Darin wurde vor allem der sunnitische Islam gelehrt. Für Kinder, die alevitisch, jüdisch, schiitisch, christlich, gar nicht gläubig oder sonst andersgläubig waren, war das natürlich eine Einschränkung. Viele beschwerten sich über diese Änderung, zum Beispiel beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.
Schule und Religion
Die Türkei ist ja eigentlich ein säkularer Staat. Dies bedeutet, dass die Regierung nicht vorgeben oder kontrollieren darf, welche Religion man ausübt. Staat und Religion sind also getrennt. Dieses fortschrittliche System wurde von dem Staatsgründer der Türkei, Mustafa Kemal Atatürk, eingeführt. So durfte man vor einigen Jahren beispielsweise noch selbst entscheiden, ob man den Religionsunterricht besuchen will.
1980 gab es einen Militärputsch in der Türkei. Die neue Militärregierung führte den Religionsunterricht an Schulen wieder verpflichtend ein. Auch heute gibt es den Unterricht als Pflicht. Es ist nicht nur ein Problem, dass neben dem sunnitischen Islam keine anderen Religionen unterrichtet werden, sondern auch so einiges in den Schulbüchern teilweise falsch dargestellt wird. Dies diskriminiert Minderheiten und schließt Andersgläubige aus. Die Regierung der Türkei beeinflusst demnach stark das Schulsystem und somit auch die Meinungsbildung vieler Menschen.