Türkei
Armenier in der Türkei
Die Armenier sind eine sehr alte und kulturreiche Volksgruppe. Ihre historischen Siedlungsgebiete lagen im Süden des Kaukasus und in Ostanatolien, also in Regionen, die heute teilweise zur Republik Armenien und teilweise zur Türkei gehören.
Die armenische Kultur reicht sehr weit zurück. Schon im 1. Jahrtausend vor Christus lebten armenische Völker in dieser Region. Besonders bekannt ist Armenien dafür, dass es im Jahr 301 n. Chr. als erstes Land der Welt das Christentum zur Staatsreligion erklärte.
Armenier im Osmanischen Reich
Viele Armenier lebten später im Osmanischen Reich, zu dem große Teile des heutigen Nahen Ostens und Südosteuropas gehörten. Dort waren sie eine religiöse und ethnische Minderheit. Im Osmanischen Reich lebten Armenier oft als Händler, Handwerker oder Bauern. Gleichzeitig hatten Minderheiten nicht immer die gleichen Rechte wie die muslimische Mehrheit. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs (1914) lebten schätzungsweise zwischen 1 und 2 Millionen Armenier im Osmanischen Reich.
Der Völkermord an den Armeniern
Während des Ersten Weltkriegs kam es zu einem der tragischsten Ereignisse der armenischen Geschichte. Am 24. April 1915 begann die osmanische Regierung damit, armenische Politiker, Geistliche und Intellektuelle in Istanbul zu verhaften. Dieses Datum gilt heute als Beginn des Völkermords an den Armeniern.
In den folgenden Jahren wurden viele Armenier deportiert, also aus ihren Wohnorten vertrieben. Viele mussten auf langen Märschen durch Wüstengebiete ziehen. Dabei starben sehr viele Menschen durch Gewalt, Hunger oder Krankheiten. Historiker schätzen, dass zwischen 800.000 und 1,5 Millionen Armenier in den Jahren 1915 bis 1916 ums Leben kamen.
Viele Länder und Historiker bezeichnen diese Ereignisse als Völkermord. Die türkische Regierung spricht dagegen meist von Kriegsereignissen und Vertreibungen und will den Völkermord nicht anerkennen, bei denen auch viele andere Menschen starben. Deshalb wird das Thema bis heute politisch und historisch sehr kontrovers diskutiert.
Armenier heute
Heute leben Armenier vor allem in der Republik Armenien, die seit 1991 unabhängig ist. Außerdem gibt es armenische Gemeinschaften in vielen anderen Ländern, zum Beispiel in:
- Russland
- Frankreich
- den USA
- dem Nahen Osten
Auch in der Türkei lebt noch eine kleine armenische Minderheit. Die meisten von ihnen wohnen heute in Istanbul.
Die Diskussion um den Völkermord in der Türkei
Für viele Historiker war dieser Massenmord der erste Massenmord des 20. Jahrhunderts. Bedeutende türkische Politiker, darunter der Präsident Recep Tayyip Erdoğan, erkennen das Ereignis jedoch nicht als Massenmord an. Das Ganze ist aber nicht nur eine historische, sondern auch eine politische Angelegenheit.
Die Türkei fühlt sich angegriffen durch die Beschuldigung, einen Völkermord begangen zu haben. Deutschland, ein wichtiger politischer Partner, will sich mit dem Land gut stellen, andererseits aber auch keine historischen Fakten ignorieren. Das Thema ist politisch also sehr brisant.
Meinungs- und Pressefreiheit
Die Türkei ist ein Beitrittskandidat der EU. Um den Beitritt zur EU tatsächlich zu erreichen, müssen sich allerdings noch viele Verbesserungen im Land durchsetzen. Momentan ist das Land allerdings weit davon entfernt, denn die demokratischen Zustände haben sich in der letzten Zeit sehr verschlechtert. In der Verfassung sind sowohl Presse- als auch Meinungsfreiheit eigentlich gewährleistet.
Es kam immer häufiger dazu, dass Medienbetriebe von Firmen aufgekauft wurden. Viele dieser Firmen stehen der Regierungspartei AKP sehr nahe. Die Regierung hat erreicht, dass durch einige Tricks in den Gesetzesformulierungen regierungskritische Journalisten festgenommen werden können. Die Presse- und Meinungsfreiheit ist in der Türkei also noch sehr mangelhaft.
