Kosovo - Alltag Kosovo
Gastfreundschaft wird im Kosovo groß geschrieben
Gastfreundschaft spielt im Kosovo für viele Menschen eine wichtige Rolle. Gäste werden häufig herzlich begrüßt und mit Essen, Kaffee oder anderen Getränken bewirtet.
In der albanischen Tradition gibt es dafür sogar einen besonderen Begriff: Besa. Das Wort bedeutet etwa „gegebenes Wort“ oder „Versprechen“. Traditionell gehört dazu auch die Verpflichtung, Gäste gut aufzunehmen und ihnen Schutz zu bieten.
Wie man sich begrüßt, hängt von Familie, Herkunft und davon ab, wie gut man sich kennt. Ein Handschlag ist weit verbreitet, unter Freunden und Verwandten gehören auch Umarmungen oder Wangenküsse dazu.
Wenn du in ein Privathaus eingeladen wirst, solltest du darauf achten, was die Gastgeber machen. In vielen Haushalten werden die Straßenschuhe ausgezogen, manchmal stehen für Gäste Hausschuhe bereit.
Sport im Kosovo
Wie in vielen anderen europäischen Ländern ist Fußball auch im Kosovo sehr beliebt. Seit 2016 gehört der kosovarische Fußballverband zur UEFA und zur FIFA. Seitdem können die Nationalmannschaften und Vereine des Kosovo an internationalen Wettbewerben teilnehmen.
Zu den bekanntesten Fußballvereinen gehört der FC Prishtina aus der Hauptstadt.
Besonders erfolgreich ist der Kosovo aber im Judo. Bei den Olympischen Spielen in Tokio, die 2021 ausgetragen wurden, gewannen Distria Krasniqi und Nora Gjakova jeweils eine Goldmedaille. Schon 2016 hatte die Judoka Majlinda Kelmendi die erste olympische Goldmedaille für Kosovo gewonnen.
Auch bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris gehörten Judoka aus dem Kosovo wieder zu den erfolgreichen Sportlern des Landes. Daneben werden zum Beispiel Basketball, Boxen, Skifahren und verschiedene Kampfsportarten betrieben.
Die Rolle der Frau im Kosovo
Frauen und Männer haben im Kosovo gesetzlich die gleichen Rechte. Trotzdem gibt es im Alltag noch Unterschiede. Patriarchale Vorstellungen sind weiterhin verbreitet. Damit ist gemeint, dass Männer in Familie und Gesellschaft oft mehr Macht und Einfluss haben und traditionelle Rollenbilder besonders Frauen einschränken können.
Frauen sind zum Beispiel seltener in gut bezahlten Berufen oder in wichtigen Entscheidungspositionen vertreten. Auch beim Besitz von Häusern oder Land und beim Erben gibt es in der Praxis noch Nachteile.
Ein großes Problem ist Gewalt gegen Frauen. Besonders häusliche Gewalt kommt weiterhin häufig vor. Manche Betroffene zögern, sich an Polizei oder Beratungsstellen zu wenden, etwa weil sie Angst haben, finanziell abhängig sind oder gesellschaftlichen Druck erleben. Die EU berichtet, dass Schutz und Unterstützung für Betroffene noch nicht überall ausreichend funktionieren. Zudem gibt es ein altes Gewohnheitsrecht, den Kanun. In manchen albanisch geprägten Gebieten hatte dieser Kanun großen Einfluss auf Familien und auf Rollenbilder.
In den vergangenen Jahren wurden die Gesetze verbessert. Seit 2023 gibt es ein neues Gesetz gegen häusliche Gewalt, Gewalt gegen Frauen und andere Formen geschlechtsspezifischer Gewalt. Außerdem wurden Beratungsangebote und Frauenhäuser stärker unterstützt. Trotzdem bleibt es eine wichtige Aufgabe, die Gesetze auch im Alltag konsequent umzusetzen.
Viele Frauenorganisationen im Kosovo setzen sich für Gleichberechtigung, Schutz vor Gewalt und bessere Chancen für Frauen und Mädchen ein. Dies Einsatz ist allerdings auch noch nötig.
Wer sind die Kosovo-Ägypter?
Die Kosovo-Ägypter sind eine eigene ethnische Minderheit im Kosovo und auf dem Balkan. Sie leben dort schon seit langer Zeit und sind nicht einfach aus dem heutigen Ägypten eingewandert. Viele sprechen Albanisch. Ihre genaue Herkunft ist historisch nicht eindeutig geklärt.
Roma-, Ashkali- und ägyptische Kinder im Kosovo
Kinder aus den Gemeinschaften der Roma, Ashkali und Kosovo-Ägypter haben es im Kosovo oft schwerer als andere Kinder. Viele Familien leben in Armut und haben schlechtere Chancen auf gute Bildung, Arbeit und medizinische Versorgung. Auch Diskriminierung und Ausgrenzung kommen weiterhin vor.
Besonders deutlich zeigen sich die Unterschiede in der Schule. Während fast alle Kinder im Kosovo die Grundschule besuchen, liegt der Anteil bei Roma-, Ashkali- und ägyptischen Kindern niedriger. In den höheren Klassen werden die Unterschiede noch größer: 2025 besuchten nur rund 27 Prozent der Jugendlichen aus diesen Gemeinschaften eine weiterführende Oberstufe.
Gründe dafür sind unter anderem Armut, lange Schulwege, fehlende Lernmaterialien, frühe Heirat oder die Notwendigkeit, zum Einkommen der Familie beizutragen. Auch Ausgrenzung und Mobbing können dazu führen, dass Kinder die Schule abbrechen.
In den vergangenen Jahren wurden verschiedene Programme gestartet, um die Situation zu verbessern. Dazu gehören zusätzliche Lernangebote, Unterstützung für Familien und Projekte, die Kinder schon vor der Grundschule fördern. Trotzdem bestehen noch große Unterschiede zwischen diesen Minderheiten und der übrigen Bevölkerung.
Kinder mit Behinderung
Auch Kinder mit Behinderung stoßen im Kosovo weiterhin auf viele Hindernisse. Nicht alle Schulen sind barrierefrei, und es fehlen teilweise speziell ausgebildete Lehrkräfte, Assistenz und geeignete Hilfsmittel.
UNICEF berichtet, dass nur ein kleiner Teil der Kinder mit Behinderung umfassend von Bildungs-, Gesundheits- und Sozialangeboten profitiert. Deshalb arbeitet Kosovo daran, mehr Kinder mit Behinderung in reguläre Schulen einzubeziehen und die Unterstützung zu verbessern.