Deutschland - Saarland - 20. Jahrhundert
Inhalt:
| Seite 1 | Geschichte - Vorgeschichte |
| Seite 2 | Kelten - Römer - Mittelalter |
| Seite 3 | 16. bis 18. Jahrhundert |
| Seite 4 | 19. Jahrhundert |
| Seite 5 | 20. Jahrhundert Du bist hier! |
Das "Saargebiet" nach dem Ersten Weltkrieg
Deutschland verlor den Ersten Weltkrieg. Im Versailler Vertrag wurde festgelegt, dass das Saargebiet für 15 Jahre vom Völkerbund verwaltet werden sollte. Der Völkerbund war eine internationale Organisation, die nach dem Krieg den Frieden sichern sollte.
Ab 1920 sprach man vom „Saargebiet“. Es gehörte nicht mehr direkt zum Deutschen Reich, wurde aber auch nicht einfach französisch. Frankreich erhielt jedoch die Nutzungsrechte an den Saargruben. Das bedeutete: Frankreich durfte die Kohlegruben wirtschaftlich nutzen. Dadurch hatte Frankreich großen Einfluss.
Viele Menschen im Saargebiet empfanden diese Zeit als Fremdbestimmung. Es kam zu Protesten, Streiks und Kundgebungen. Im Jahr 1923 gab es einen besonders langen Arbeitskampf, den Hundert-Tage-Streik.
Das Saarland während der Zeit des Nationalsozialismus
Die Saarabstimmung von 1935
Im Versailler Vertrag war festgelegt worden, dass die Menschen im Saargebiet nach 15 Jahren abstimmen sollten. Sie konnten 1935 entscheiden, ob das Saargebiet zu Deutschland zurückkehren, zu Frankreich gehören oder weiter vom Völkerbund verwaltet werden sollte.
Inzwischen hatten in Deutschland die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler die Macht übernommen. Deshalb war die Abstimmung für viele Menschen schwierig. Sozialdemokraten, Kommunisten, Gewerkschafter und manche Katholiken warnten vor einer Rückkehr in das nationalsozialistische Deutschland.
Trotzdem stimmte eine große Mehrheit für Deutschland. 90,5 Prozent entschieden sich für die Rückgliederung an das Deutsche Reich. Für Hitler war das ein großer Propagandaerfolg.
Für viele Gegnerinnen und Gegner des Nationalsozialismus wurde die Lage nun gefährlich. Rund 8.000 Menschen, die Verfolgung fürchteten, flohen aus dem Saargebiet, oft nach Frankreich.
Von der Gleichschaltung bis zur Vernichtung
Mit der Rückgliederung des Saarlandes wurde auch dieses gleich geschaltet. (Gleichschaltung der Länder). Auch wenn Sozialdemokraten, Kommunisten, Gewerkschafter und Katholiken weiter versuchten, Widerstand zu leisten, setzte sich das Terrorregime der Nationalsozialisten am Ende durch. Die Entwicklung im Saaarland lief in vielen Teilen parallel zum gesamten Deutschen Reich, so kam es auch im Saarland zur Reichspogromnacht, in der viele jüdische Synagogen im Saarland von den Nazis zerstört wurden.
1940 wurde die jüdische Bevölkerung im Saarland, aber auch viele Sinti und Roma, nach Frankreich ins Lager Gurs, das in den Pyrenäen lag, deportiert. Viele kamen ins Vernichtungslager Auschwitz und wurden dort ermordet. Auch in Saarbrücken selbst wurde ein Gestapo-Lager eingerichtet, erst als so genanntes Arbeitslager, später als Durchgangslager für die Vernichtungslager im Osten. In der Bergbauindustrie wurden im Saarland auch viele Zwangsarbeiter eingesetzt. Der Krieg endete für die Saarländer mit dem Einmarsch und der Besetzung durch die Amerikaner im März 1945.
Das Saarland zwischen 1945 und 1955
Nach dem Zweiten Weltkrieg gliederte man das Saarland im Januar 1946 aus der französischen Besatzungszone aus. Das Saarland erhielt im Juni 1947 eine eigene Verfassung, an die auch eine Staatbürgerschaft gekoppelt war. Wirtschaftlich gehörte das Saarland zu Frankreich, auch die Währung war Französisch. Allerdings unterstand das Saarland einem französischen Kommissar, war also nicht völlig autonom, sondern nur in Teilen. Frankreich tat einiges, um die Saarländer wohlgemut zu halten und engagierte sich sozial und kulturell für die Bevölkerung.
Ende 1947 wird die erste saarländische Verfassung verabschiedet und Johannes Hoffmann, im Volksmund „Joho“ genannt, wurde erster saarländischer Ministerpräsident. Die Saarfrage störte seit 1950 die westeuropäische und atlantische Integration, denn sie verhinderte eine deutsch-französische Verständigung. Im Saarland hatte sich bereits seit 1950 eine Opposition gegen die enge wirtschaftliche Bindung an Frankreich und gegen die Entnationalisierung der Bevölkerung gebildet.
Abstimmung im Saarland 1955
1954 wurden die Pariser Verträge geschlossen. Dazu gehörte auch das Saarstatut. Es sah vor, dass das Saarland einen besonderen europäischen Status bekommen sollte. Es wäre also weder ein normales deutsches Bundesland noch ein Teil Frankreichs geworden.
Am 23. Oktober 1955 stimmten die Menschen im Saarland über dieses Saarstatut ab. Die Abstimmung wurde sehr heftig geführt. Viele Menschen sahen ein „Nein“ zum Saarstatut als Stimme für die Rückkehr zur Bundesrepublik Deutschland.
Das Ergebnis war deutlich: 67,7 Prozent stimmten gegen das Saarstatut. Danach trat Ministerpräsident Johannes Hoffmann zurück. Der Weg zur Eingliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik Deutschland war nun frei.
Rückkehr des Saarlandes zu Deutschland
Nach weiteren Verhandlungen schlossen die Bundesrepublik Deutschland und Frankreich 1956 den Luxemburger Vertrag. Darin wurde geregelt, dass das Saarland politisch zur Bundesrepublik Deutschland kommen sollte.
Am 1. Januar 1957 wurde das Saarland ein Bundesland der Bundesrepublik Deutschland. Manchmal spricht man deshalb auch von der „kleinen Wiedervereinigung“.
Wirtschaftlich blieb das Saarland zunächst noch eng mit Frankreich verbunden. Erst 1959 wurde auch die wirtschaftliche Eingliederung vollzogen. Danach galt im Saarland die Deutsche Mark.
Nach 1957 entwickelte sich das Saarland als deutsches Bundesland weiter. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft waren aber noch lange von der besonderen Geschichte zwischen Deutschland und Frankreich geprägt.
In den folgenden Jahrzehnten wurde das Saarland von verschiedenen Ministerpräsidenten und Parteien regiert. Besonders bekannt wurde Oskar Lafontaine von der SPD, der von 1985 bis 1998 Ministerpräsident war. Wichtiger für die Geschichte des Landes blieb aber der wirtschaftliche Wandel: Der Bergbau ging zurück, die Stahlindustrie veränderte sich, und neue Arbeitsplätze entstanden in anderen Bereichen.
Unter Bundesland und Verwaltung kannst du dich auch über die aktuelle politische Situation im Saarland informieren.



