Malediven
Wer lebt auf den Malediven?
Die Malediven bestehen aus vielen kleinen Inseln im Indischen Ozean – über 1 190 sind es insgesamt! Aber nur etwa 200 Inseln sind wirklich von Menschen bewohnt. Auf den anderen leben keine Menschen, oder sie werden nur für den Tourismus genutzt.
Viele Menschen leben in der Hauptstadt
Insgesamt leben rund 530.000 Menschen auf den Malediven. Am meisten los ist in der Hauptstadt Malé. Dort wohnen mehr als 200.000 Menschen – also fast die Hälfte aller Einwohner. Auf dieser kleinen Insel ist es richtig eng. Es gibt kaum Platz für Autos, dafür aber viele Roller.
Kleine Dörfer auf kleinen Inseln
Außerhalb von Malé leben die Menschen auf vielen kleinen Inseln. Oft sind es nur 200 bis 300 Menschen, die dort in einer Dorfgemeinschaft zusammenleben. Auf der Insel Hithadhoo (das ist eine der größten Inseln außerhalb von Malé) wohnen sogar über 6 000 Menschen.
Die Dörfer auf den Malediven sind ganz besonders: Das Wort für „Dorf“ gibt es dort nämlich nicht! Für die Bewohner ist eine Insel mit Häusern einfach eine bewohnte „Insel“ – das reicht als Beschreibung schon.
Tourismus und Trennung der Inseln
Ein wichtiger Teil des Lebens auf den Malediven ist der Tourismus. Viele der unbewohnten Inseln wurden in sogenannte Hotelinseln verwandelt – man nennt sie auch „Resorts“. Dort machen Gäste aus aller Welt Urlaub.
Früher durften Touristen und Einheimische sich nicht mischen. Die Touristen blieben auf ihren Hotelinseln, die Malediver lebten woanders. Heute ist das anders: Auf manchen bewohnten Inseln gibt es Gästehäuser, in denen Urlauber übernachten können – so lernen sie auch die Menschen auf den Malediven besser kennen.
Leben als Fischer
Für das Leben vieler Menschen ist der Fischfang bestimmend. Die Männer sind meist den ganzen Tag mit ihren Booten auf dem Meer unterwegs, um Fische zu fangen. Diese werden übrigens meist mit der Angel aus dem Wasser gefischt. Das ist eine sehr umweltschonende Art des Fischfangs. So kommen keine Delfine unbeabsichtigt in den Beifang.
Der gefangene Fisch landet dann auf dem Markt und wird dort verkauft. Damit verschaffen sich die Bewohner der Insel, die sich selbst übrigens Dhivehi nennen, ein kleines Einkommen. Die meisten bleiben allerdings arm.
Was spricht man da?
Die Landessprache heißt ebenfalls Dhivehi und besitzt eine eigene Schrift mit der Bezeichnung Thaana. Diese Sprache ist eine mit dem Alt-Singhalesischen verwandte indoeuropäische Sprache. Du findest aber auch Lehnwörter, die aus dem arabischen, dem indischen, dem tamilischen oder dem englischen Sprachraum stammen. Außerdem gibt es aufgrund der Insellage auch viele Dialekte, da jede Dorfgemeinschaft noch einmal eine besondere Form entwickelt hat.
Auf Inseln mit Touristen sprechen auch viele Menschen Englisch. In den kleinen Dörfern wird aber meist nur die Landessprache gesprochen. Zu den Bewohnern der Inseln zählen auch mehrere tausend Arbeitsmigranten, die zu einem großen Teil aus Sri Lanka, aber auch aus Indien oder Europa stammen und im Tourismus oder im Bildungsbereich arbeiten.
Religion und Tradition auf den Malediven
Auf den Malediven glauben alle Menschen an den Islam – das ist die Staatsreligion des Landes. Der Islam kam schon vor vielen Jahrhunderten auf die Inseln, nämlich im 12. Jahrhundert. Damals brachten ihn arabische Händler mit. Heute ist fast jeder Mensch auf den Malediven Muslim – und zwar nach der sunnitischen Richtung des Islam.
Nur Muslime dürfen Bürger sein
Seit dem Jahr 2008 gilt auf den Malediven ein besonderes Gesetz: Nur wer muslimisch ist, kann die Staatsbürgerschaft erhalten. Das bedeutet, dass jemand nur dann offiziell zum Land gehört, wenn er oder sie dem islamischen Glauben folgt.
Auch die Gerichte auf den Malediven richten sich nach Regeln, die aus dem Islam stammen. Diese nennt man Scharia. Das ist ein religiöses Gesetz, das neben dem normalen Recht eine wichtige Rolle spielt.
Alte Traditionen leben weiter
Trotz des muslimischen Glaubens gibt es auf den Malediven alte Bräuche, die sich über die Jahrhunderte erhalten haben. Lange bevor der Islam kam, glaubten die Menschen dort zum Beispiel an den Hinduismus oder an den Buddhismus.
Manche dieser alten Vorstellungen mischen sich heute noch mit dem islamischen Glauben. Viele Menschen glauben zum Beispiel an unsichtbare Wesen, die „Dschinns“ oder „Jinnis“ genannt werden. Sie sollen den Menschen helfen oder schaden können – je nachdem, wie man sie behandelt.
Wenn es Probleme gibt, beten manche Malediver nicht nur zu Allah, dem einzigen Gott im Islam, sondern auch zu einem bestimmten Dschinn, der für das jeweilige Problem zuständig sein soll.
Gemischte Verwurzelung
Da die Malediven auf der Handelsroute des Indischen Ozeans liegen, kam es immer wieder zu Kontakt und Austausch der Bewohner der maledivischen Inseln mit Seefahrern und Besuchern der Nachbarregionen.
Dadurch vermischten sich Kulturen und deren Sitten und Gebräuche. So sehen die Bewohner der einzelnen Inseln bzw. Dörfer oft ganz unterschiedlich aus, je nachdem, auf welche Vorfahren sie zurückblicken. Diese kamen aus Süd- und Südostasien, aber auch aus dem afrikanischen und arabischen Raum.
