Vietnams Flagge Vietnam

Schule ist nicht für alle

In Vietnam gehen trotz Schulpflicht nicht alle Kinder zur Schule. Doch anders als früher besuchen die meisten Kinder die Grundschule auch wirklich regelmäßig.  Die Abschlussquote in der Grundschule liegt inzwischen sehr hoch, und auch die meisten Kinder gehen danach noch auf die weiterführende Schule. Trotzdem haben noch immer nicht alle Kinder die gleichen Chancen auf Bildung. Besonders schwierig ist es für Kinder aus armen Familien, für Kinder in abgelegenen Dörfern, für Kinder mit Behinderungen und für viele Kinder aus ethnischen Minderheiten. Bei ihnen ist das Risiko größer, dass sie die Schule zu früh verlassen. 

Ein wichtiger Grund dafür ist, dass Schule trotz staatlicher Angebote nicht für alle Familien gleich leicht bezahlbar ist. Oft kosten Schulmaterialien, Schulkleidung, Fahrten oder zusätzliche Lernangebote Geld. Wenn Eltern sehr wenig verdienen, kann das zum Problem werden. Manche Kinder helfen deshalb zu Hause, auf dem Feld, im Familienbetrieb oder kümmern sich um jüngere Geschwister. Kinderarbeit ist in Vietnam also nicht verschwunden. Die Zahlen sind schwer zu ermitteln, weil es hier oft keine Zählungen gibt. Aber sicherlich arbeiten immer noch Kinder in Vietnam. 

Leistungsdruck ist ganz normal

Auf der anderen Seite gibt es auch Kinder, die zwar zur Schule gehen können, aber genauso überarbeitet sind wie die Kinder aus ärmeren Familien. Viele Vietnamesen leben nach der konfuzianischen Tradition, dass jeder durch Lernen vorankommen könne. Für viele Familien in Vietnam ist Bildung besonders wichtig. Das hat eben mit der langen Tradition zu tun, dass Lernen als Schlüssel für ein besseres Leben gilt. Viele Kinder gehen morgens in die Schule und lernen danach weiter: mit Hausaufgaben, Nachhilfe, zusätzlichem Englischunterricht oder Musikunterricht. Das kann gut sein, weil Kinder viel lernen. Es kann aber auch stressig werden, wenn kaum Zeit zum Ausruhen oder Spielen bleibt.

Vor allem Kinder aus Familien, die große Hoffnungen in die Schule setzen, stehen oft unter Leistungsdruck. Eltern wünschen sich gute Noten, weil Bildung als Chance für die Zukunft gesehen wird. Das betrifft nicht nur reiche Familien. Auch Eltern mit wenig Geld hoffen, dass ihre Kinder durch gute Schulbildung später einmal ein leichteres Leben haben. Gerade deshalb ist der Druck manchmal sehr groß.

Alltag von Kindern in Vietnam in Bildern

So unterschiedlich leben Kinder in Vietnam. Guck mal rein!

Lehrer, die Spickzettel schreiben?

In Vietnam stehen nicht nur viele Schüler unter Druck - sondern auch die Lehrer! In Vietnam ist es ganz normal, dass die Schüler ihr Abitur machen. Es fallen zwar nur wenige Kinder durch, falls das aber passieren sollte, wird oft dem Lehrer die Schuld daran gegeben. 

Viele messen das Talent der Lehrerinnen und Lehrer daran, wie viele Schüler erfolgreich die Prüfungen schaffen. Deshalb gab es immer wieder Fälle, in denen die Lehrer den Schülern bei Spickzetteln geholfen haben, damit es auch ja alle schaffen. So wird es jedenfalls erzählt. 

Schule in Vietnam: Große Fortschritte, aber nicht für alle

Vietnam hat in den letzten Jahren im Bereich Bildung große Fortschritte gemacht. Viele Kinder besuchen heute die Grundschule, und die Einschulungsrate ist sehr hoch. Trotzdem zeigt sich: Nicht alle Kinder profitieren gleich stark davon. Besonders beim Besuch der oberen weiterführenden Schule gibt es noch deutliche Unterschiede zwischen armen und reichen Familien, zwischen Stadt und Land und zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Genau deshalb bleibt das Thema Schule in Vietnam weiter wichtig.

Schulkinder in Vietnam

Mädchen und Jungen

In Vietnam gelten Mädchen immer noch als weniger wert als Jungs. Das hat ganz viel mit dem Frauen- und Männerbild der Menschen zu tun. Obwohl mittlerweile die meisten Frauen auch in die Schule gehen und sehr viele berufstätig sind, wünschen sich die meisten Eltern Söhne. So gibt es offiziell zwar eine Gleichberechtigung, da aber viele Menschen noch sehr traditionell leben, werden Töchter häufig immer noch als minderwertiger angesehen als Söhne. Das hat mit  alten Traditionen und Rollenbildern zu tun. Hier gibt es wie in vielen Ländern der Welt noch Nachholbedarf.

letzte Aktualisierung am 25.03.2026