Kambodscha
In den Vietnamkrieg hineingezogen
Von 1969 bis 1973 wurde auch Kambodscha von den Amerikanern bombardiert, um die Versorgungswege der Vietcong in Richtung Vietnam zu zerstören. So war Kambodscha auch Teil des Vietnamkriegs und musste zusehen, wie viele landwirtschaftliche Flächen des Landes zerstört wurden. Und es kamen viele Menschen ums Leben. Die genauen Zahlen weiß man nicht, sie liegen zwischen 200.000 und einer Million Menschen. Die Leute auf dem Land litten sehr unter den Bomben und wandten sich von den USA ab und den Roten Khmer zu, von denen sie Hilfe erwarteten. 1973 zogen die Amerikaner zwar ab, aber der Konflikt zwischen den kommunistischen Roten Khmer und der von den Amerikanern unterstützten Regierung nahmen zu.
Die Schreckensherrschaft der Roten Khmer
1975 wurde die Hauptstadt Kambodschas, Phnom Penh, von den Roten Khmer eingenommen. Ein großer Teil der Bevölkerung wurde getötet und viele aufs Land geschickt, um dort Zwangsarbeit auf den Feldern zu leisten. Es folgte eine Schreckensherrschaft der Roten Khmer, bei der Millionen von Menschen ihr Leben lassen mussten.
Die Roten Khmer errichteten einen kommunistischen Bauernstaat. Vor allem gebildete Menschen fielen ihren Säuberungsaktionen zum Opfer. Das persönliche Eigentum wurde abgeschafft, alle Zeichen der Moderne vernichtet, dazu zählten auch Krankenhäuser. Die Leute sollten politisch umerzogen werden und kamen in politische Lager. Die Religion wurde verboten, Frauen zwangsverheiratet.
Viele Menschen starben
So kam es dazu, dass die Wirtschaft schrumpfte und Lebensmittel knapp wurden. Wer nicht direkt durch die Roten Khmer zu Tode kam, starb oft genug an Hunger oder Mangelernährung und den Folgekrankheiten. Man spricht von mehr als drei Millionen Menschen, die in dieser Zeit ermordet wurden. Dazu zählte ein großer Teil der gebildeten Oberschicht des Landes.
Steinzeitkommunismus
Die von den Roten Khmer erzielte Politik wird auch "Steinzeitkommunismus" genannt. Sie strebten nach einem landwirtschaftlich arbeitenden Volk ohne Bildungsschicht. Um ihr Ziel zu erreichen, wurden vor allem gebildete Menschen verfolgt und ermordet. Als gebildet galt schon jemand, der keine schwieligen Hände von der Arbeit hatte oder einfach nur eine Brille trug.
Nach den Roten Khmer kam der Bürgerkrieg
Doch die Roten Khmer richteten ihre Angriffe nicht nur aufs eigene Volk, sondern griffen auch noch Teile Vietnams an. Die Vietnamesen wehrten sich und nahmen 1978 in kurzer Zeit Kambodscha ein und vertrieben den kambodschanischen Machthaber Pol Pot mit seiner Armee. Doch die Situation verbesserte sich nicht. Die neu ausgerufene Volksrepublik Kambodscha fand keine Unterstützung, weil sie ja von Vietnam besetzt war. Es kam zu einem Bürgerkrieg. Erst Ende der 1980er Jahre konnte die Situation entschärft werden.
Kambodscha im 21. Jahrhundert
Doch die Vergangenheit ist bis heute nicht bewältigt, viele Menschen, die in der Regierung sitzen, haben mit den Roten Khmer zusammen gearbeitet und sich schuldig gemacht. So tut die Regierung auch wenig gegen die Aufarbeitung, weil sie sonst Leute aus den eigenen Reihen belasten müsste. Auch leidet das Land unter der hohen Bestechlichkeit seiner Regierung.
Kambodscha ist formal eine konstitutionelle Monarchie (mit König als Staatsoberhaupt) und laut Verfassung ein Mehrparteiensystem. n der Praxis wird das Land aber seit Jahrzehnten von der Kambodschanische Volkspartei (CPP) beherrscht — andere Parteien und unabhängige Medien haben nur wenig Einfluss. Zwischen 1985 und 2023 war Hun Sen Regierungschef. Seit 2023 ist sein Sohn Hun Manet Premierminister — doch Hun Sen bleibt weiterhin sehr einflussreich (z. B. als Parteichef und Präsident des Senats). Menschenrechte, Presse‑ und Meinungsfreiheit sind stark eingeschränkt. Kritiker, Oppositionspolitiker und unabhängige Medien werden oft unter Druck gesetzt. Zwar gibt es theoretisch ein Parlament mit Nationalversammlung und Senat, doch echte politische Opposition — Wahlen gelten international als nicht wirklich frei und fair.
Streit an der Grenze zu Thailand
Seit vielen Jahren gibt es zwischen Kambodscha und Thailand Streit um ein Gebiet an ihrer gemeinsamen Grenze. Besonders um alte Tempelruinen, die beide Länder als ihr Eigentum sehen, kam es immer wieder zu Spannungen. Im Jahr 2025 wurde der Konflikt erneut schlimmer: Es gab Gefechte zwischen Soldaten, bei denen auch Menschen starben. Viele Familien flohen aus der Grenzregion, weil sie Angst vor weiterer Gewalt hatten.
Zwar versuchten beide Länder, den Streit mit Gesprächen zu lösen, doch der Frieden hielt nicht lange. Immer wieder kam es zu neuen Auseinandersetzungen, zuletzt sogar mit Luftangriffen. Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig, den Waffenstillstand gebrochen zu haben. Auch wenn es zwischendurch ruhiger wurde, bleibt die Lage angespannt. Viele hoffen, dass bald wieder Frieden einkehrt – damit die Menschen sicher leben können.