Indiens Flagge Indien

Theorie und Praxis

Heute gehen schon mehr Kinder zu Schule als noch vor ein paar Jahren - aber immer noch viel zu wenige![ © DFID - UK Department for International Development / CC BY-SA 2.0 ]
Schulmädchen in Indien

Indien ist ein Land der Gegensätze und so klaffen auch im Bereich Schule und Bildung Theorie und Praxis auseinander. Das indische Gesetz schreibt vor, dass alle Kinder von sechs bis 14 Jahren eine Schule besuchen sollen und das kostenfrei. Das Gesetz stammt aus dem Jahr 2009 und garantiert den Kindern ein "Grundrecht auf Schulbildung". Dieses Gesetz hat vieles geändert, denn zuvor sind eben lange nicht so viele Kinder in eine Schule gegangen. Viele Millionen Kinder in Indien hatten gar keine Schulbildung. 35 von 100 Indern konnten nicht lesen und schreiben. Dagegen wollte die indische Regierung etwas tun. Doch für die Bildung sind ähnlich wie in Deutschland die einzelnen indischen Bundesstaaten zuständig. Und die streiten sich gerne, wer nun alles richtig macht. Das passiert in Deutschland ja auch manchmal. So ähnlich ist es in Indien auch.

Schulkinder in Indien

Kinder in Udaipur auf dem Pausenhof[ © José Morcillo Valenciano / CC BY 2.0 ]
Schulkinder, Indien
Schulmädchen aus Raikhad auf dem Weg zum Unterricht[ © Meena Kadri / CC BY-ND 2.0 ]
Muslimisches Schulmädchen, Indien
Diese Kinder wohnen im bergigen Himachal ganz im Norden Indiens und gehen dort zur Schule.[ © ellen reitman / CC BY-SA 2.0 ]
Schulkinder in Indien
Diese Kinder besuchen eine Schule in der Stadt Chennai im indischen Bundesstaat Tamil Nadu.[ © DFID - UK Department for International Development / CC BY-SA 2.0 ]
Schulkinder, Indien
Leider gibt es nicht ausreichend viele Schulen, an denen ausgebildete Lehrer immer verfügbar sind.[ © Sistak / CC BY-SA 2.0 ]
Unterricht, Indien

Mangel an Lehrern

Oft sind die indischen Lehrer nicht gut ausgebildet und sie verdienen sehr wenig Geld. Die Schulen sind in einem schlechten Zustand und Schulbücher fehlen. 25 von 100 Lehrern kommen gar nicht erst zum Unterricht. Klingt erstmal sehr verantwortungslos, aber oft sind Lehrer einfach komplett überfordert mit den riesigen Klassen, die auch mal aus 60 Schülern und Schülerinnen bestehen können.

Zum Lernen setzt man sich in Indien auch einfach mal auf den Boden, wenn keine Tische und Stühle vorhanden sind.[ © TESS India / CC BY-SA 2.0 ]
Klassenzimmer, Indien

Staatliche Grundschulen

Schulen auf dem Land sind meist einfache Dorfschulen. Hier gibt es oft nur einen Raum, in dem die Kinder gemeinsam lernen. 80 von 100 indischen Kinder gehen in solche staatlichen Grundschulen, die nichts kosten. Der Vorteil für indische Familien ist bei solchen Schulen vor allem, dass sie kostenloses Mittagessen anbieten. Das ist eine warme Mahlzeit mehr am Tag als sich manche Eltern sonst für ihre Kinder hätten leisten können.

Privatschulen können sich in Indien nur die wenigsten leisten.[ © David Arpi / CC BY-ND 2.0 ]
Schulfreunde, Mumbai

Privatschulen

Doch wundert es wenig, dass viele Eltern, die es sich irgendwie leisten können, ihre Kinder lieber auf eine Privatschule schicken. Die kostet dann zwar Geld, aber die Kinder erhalten einen sehr viel besseren Unterricht. Viele Privatschulen stammen aus der Zeit der englischen Kolonialherrschaft, so dass die Kinder - wie in England -  Schuluniformen tragen. Viele Eltern verschulden sich, um ihren Kindern eine solche Schule zu ermöglichen. Wie das Schulsystem jetzt verbessert werden soll und wer genau die Kosten für den Ausbau der Schulen und die bessere Ausbildung der Lehrer übernimmt, ist noch nicht klar. So bleibt trotz guter Vorsätze so einiges beim Alten.

Die "Basavanagudi Boys' School" wurde auch für Mädchen geöffnet. Leider werden die meisten Schulen immer noch von mehr Jungen als Mädchen besucht.[ © Clint Tseng / CC BY-SA 2.0 ]
Schulkinder in Indien

Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen

Die Unterschiede zeigen sich in der Grundschule noch nicht so stark. So gehen sowohl Mädchen als auch Jungen bis zur vierten Klasse in eine Grundschule. Von 100 Kindern sind es dann 50 Jungen und 50 Mädchen. Doch schon nach der vierten Klasse besuchen die Mädchen die Schule nicht mehr und die Unterschiede werden deutlich. Viele Inder denken, dass es besser ist, die Söhne zu unterstützen und nicht die Töchter. Diese würden ja heiraten und die Eltern verlassen, während Söhne später die Eltern im Alter versorgen. Und gebildete Töchter sind teurer in der Mitgift, auch das ein Grund, weshalb man Mädchen oft die bessere Bildung verweigert.

letzte Aktualisierung am 18.05.2020