Osttimors Flagge Osttimor

Die ersten Spuren menschlicher Besiedlung

Alte Steingravuren zeugen von der sehr frühen Besiedlung der Insel. Diese wurden in der Höhle von Lene Hara entdeckt. [ © Tatoli ba Kultura / CC BY-SA 3.0 ]
frühe Besiedlung, Osttimor

Die frühesten Spuren menschlicher Besiedlung von Osttimor werden etwa auf 42.000 Jahre geschätzt. Man fand sie im Osten der Inselgruppe. Die Funde bestanden aus Steinwerkzeug und Schmuck sowie Überresten von Nahrung wie Schildkrötenpanzern und Knochen, die von den inzwischen ausgestorbenen Riesenratten stammten.

Im Osten Timors wurden außerdem verschiedene Werkzeuge zum Hochseefischen entdeckt. Diese belegen, dass Menschen schon vor 42.000 Jahren weit ab der Küste Fische fangen konnten. Beispielsweise fand man einen Angelhaken, der aus der Muschel einer Meeresschnecke hergestellt wurde und bis zu 23.000 Jahre alt sein soll. Damit ist das der älteste je gefundene Angelhaken.  

Geheime Dorfgeschichten

Heute ist es gar nicht so leicht, viel über die alten timoresischen Völker herauszufinden. Das liegt daran, dass keine Schriften vorliegen. Die gab es bei den timoresischen Völkern nämlich erst später. Es gibt nur mündliche Überlieferungen. Viele stammen von dem Bunak-Volk aus dem Zentrum von Timor. Sie halten ihre Stammesgeschichte in Bildergeschichten und Reimen fest. Diese wurden immer weiter den Nachkommen gelehrt, so dass einige Überlieferungen tatsächlich noch bis heute bestehen. Allerdings darf man diese Geschichten nicht einfach überall herumerzählen, denn sie sind geheim. Die Weitererzählung der Geschichte ist meist nur zwei oder drei Personen aus einem Dorf erlaubt und selbst diese dürfen nur Wissen über ihr eigenes Dorf weitergeben, aber nicht über das des Nachbarn. So kommt es auch, dass viele Erzählungen sich ziemlich widersprechen.

Die drei Bevölkerungswellen

Die Atoin Meto sind wohl die Nachfahren der ursprünglichen Bewohner Osttimors. [ © Tatoli Ba Kultura / CC BY 3.0 ]
Atoin Meto
Die Melanesier kamen mit der zweiten Einwanderungswelle und kannten bestimmte Techniken, Keramik zu bearbeiten.
Keramik, Ost-Timor

Man vermutet, dass die Bevölkerung Timors die Nachkommen dreier Einwanderungsgruppen sind. Diese Theorie würde auch die kulturelle und ethnische Vielfalt des Landes erklären. Interessant ist, dass sich alle Volksgruppen in Timor als Einwanderer bezeichnen. Wie mächtig eine Gruppe war, hing davon ab, wann ihre Vorfahren einwanderten. Dabei galt: Je früher die Einwanderung, desto höher der Stellenwert in der traditionellen Machtstruktur auf Timor.  

Erste Welle

Die erste Einwanderungsgruppe waren die vedo-austronesischen Völker etwa 40.000 bis 20.000 v. Chr. Sie kamen während der letzten Eiszeit nach Timor und erreichten das Land aus dem Norden und dem Westen. Damals waren die Sundainseln noch über Landbrücken verbunden und die Abschnitte, die vom Meer bedeckt waren, noch um einiges schmaler. Diese Gruppe hatte sehr dunkle Haut und glattes, schwarzes Haar. Äußerlich ähneln heute noch einige Einheimische diesen Vorfahren.  

Zweite Welle

Als zweite Gruppe wanderten die Melanesier etwa 3000 v. Chr. ein. Sie kamen aus dem Westen und ergänzten das Leben der Jäger und Sammler mit Werkzeugen für die Landwirtschaft, der Einfuhr tropischer Früchte und verschiedenen Techniken zur Handarbeit.  

Dritte Welle

Die dritte Einwanderungswelle bestand aus den Austronesiern. Die Austronesier waren eine Gruppe aus Südchina und kamen etwa 2500 v. Chr. nach Timor. Nach späteren Überlieferungen der Portugiesen war die Inselgruppe damals in drei Herrschaftsgebiete unterteilt. Diese waren zersplittert und obwohl einige der Reiche durch Heirat- und Bündnispolitik verbunden waren, kam es regelmäßig zu Konflikten.  

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letzte Aktualisierung am 13.01.2021