Komoren
Kinderarmut
Die Komoren zählen weiterhin zu den ärmsten Ländern der Welt. Besonders auf der Insel Anjouan ist die Armut weit verbreitet, und viele Familien verfügen nur über ein sehr geringes Einkommen. In vielen Haushalten leben sehr viele Kinder, oft fünf oder mehr. Diese Kinder müssen ernährt, versorgt und – wenn möglich – zur Schule geschickt werden, was für die Familien eine große Herausforderung ist.
Allerdings sind nicht alle Familien gleich arm. Es gibt auch Haushalte, denen es wirtschaftlich besser geht. Deshalb kommt es vor, dass Kinder aus sehr armen Familien zu wohlhabenderen Verwandten oder fremden Familien geschickt werden, um dort im Haushalt zu helfen. Sie erhalten meist keinen Lohn, sondern nur Essen und manchmal Kleidung. Für ihre Herkunftsfamilien bedeutet das eine Entlastung, für die Kinder aber oft harte Arbeit und den Verzicht auf Schulbildung.
Kinderarbeit
Wenn die Eltern arm sind, sind meist auch die Kinder arm. So ist es auch auf den Komoren. Deshalb müssen viele Kinder ihre Eltern unterstützen. Schätzungen internationaler Organisationen zufolge arbeitet mehr als ein Drittel der Kinder im Alter von etwa fünf bis 14 Jahren.
Sie helfen zum Beispiel im Haushalt, arbeiten auf landwirtschaftlichen Flächen und Plantagen oder sind in der Fischerei tätig. Viele dieser Arbeiten sind körperlich anstrengend und finden regelmäßig statt.
Viele Kinder besuchen deshalb keine Schule oder brechen die Schule frühzeitig ab, weil sie zum Einkommen oder Überleben der Familie beitragen müssen.
Schlechte Ernährung
Viele Kinder auf den Komoren leiden unter mangelhafter Ernährung. Oft gibt es zu wenig abwechslungsreiche Nahrung, besonders Eiweiß aus Fleisch, Fisch oder Milchprodukten. Dadurch fehlen wichtige Bausteine für ein gesundes Wachstum.
Ein erheblicher Teil der Kinder unter fünf Jahren ist unterernährt. Aktuelle Daten internationaler Organisationen zeigen, dass rund ein Drittel der Kleinkinder Wachstumsverzögerungen oder Untergewicht aufweist. Diese Kinder bekommen über längere Zeit zu wenig oder nicht die richtigen Nährstoffe.
Viele Kinder haben außerdem keinen sicheren Zugang zu sauberem Trinkwasser. Dadurch kommt es häufig zu Durchfallerkrankungen, die durch verschmutztes Wasser verursacht werden. Diese Krankheiten verschlechtern den Ernährungszustand zusätzlich und sind für kleine Kinder besonders gefährlich.
Vergessene Kinder
Um der Armut auf den Komoren zu entkommen, versuchen viele Menschen – darunter auch Jugendliche und Kinder – auf die Insel Mayotte zu gelangen, die zu Frankreich gehört. Dort sind die Lebensbedingungen deutlich besser. Die Überfahrt erfolgt oft in kleinen, überfüllten Booten übers Meer und ist sehr gefährlich. Immer wieder kommt es dabei zu schweren Unfällen, bei denen Menschen ums Leben kommen.
Auf Mayotte leben viele dieser Kinder und Jugendlichen ohne offizielle Papiere. Sie halten sich häufig in armen Stadtvierteln oder informellen Siedlungen auf. Viele gehen nicht zur Schule und haben keinen festen Zugang zu medizinischer Versorgung. Offiziell erfasst sind sie oft nicht, weshalb sie in Statistiken kaum auftauchen und nur wenig Schutz erhalten.
Die Rolle der Mädchen
Mädchen haben auf den Komoren oft schlechtere Chancen als Jungen, vor allem wenn es um Schulbildung und spätere Berufsmöglichkeiten geht. Besonders ab der Pubertät verlassen viele Mädchen die Schule früh und übernehmen Aufgaben im Haushalt.
In einigen Familien werden Mädchen früh auf die Heirat vorbereitet. Eine besondere Rolle spielt dabei die „Grand Marriage“, ein traditionelles Hochzeitsfest, das gesellschaftlich hohes Ansehen bringt. Über Zeitpunkt und Partner der Heirat entscheiden meist die Familien, ein echtes Mitspracherecht haben die Mädchen häufig nicht.

