Weißrusslands Flagge Weißrussland

Geschichte Weißrusslands von 1918 bis heute

Erstmals gab es 1918 Reisepässe der Weißrussischen Republik.[ © Wikimedia, gemeinfrei ]
Reisepass der Weißrussischen Volksrepublik

Weißrussische Volksrepublik

Am 25. März 1918 erklärte Weißrussland erstmals seine Unabhängigkeit und sagte sich somit von Sowjetrussland los. Das geschah unter deutschem Schutz, nachdem deutsche Truppen einen Monat zuvor in Minsk einmarschiert waren. Anerkannt als unabhängiger Staat wurde Weißrussland nicht, doch im Nationalbewusstsein der Weißrussen gilt diese erste Unabhängigkeit als Gründung ihres Staates.

Das braune Gebiet gehörte zwischen 1921 und 1939 zu Polen, seitdem aber wieder zu Weißrussland.[ © Rowanwindwhistler, derivative work Master Uegly / CC BY-SA 4.0 ]
Grenzverläufe Polens zwischen 1918 und 1945

Zwischen Polen und Russland

Die erste Unabhängigkeit währte nicht lange: Schon am 1. Januar 1919 geriet das Land unter die Kontrolle der russischen Bolschewisten. Die Sozialistische Räterepublik Weißrussland wurde ausgerufen. Im März 1919 entstand durch den Zusammenschluss mit Litauen die Litauisch–Weißrussische Sozialistische Sowjetrepublik, die jedoch auch nur wenige Monate existierte.

Im August 1919 besetzte Polen die westlichen Teile des Landes. Es kam zum Polnisch-Sowjetischen Krieg. Mit dem Vertrag von Riga erhielt Polen 1921 schließlich eine weit nach Osten vorgeschobene Grenze, so dass dann auch ein großer Teil des heutigen Weißrusslands zu Polen gehörte. Diese Grenze galt bis 1939.

Gründung der Sowjetrepublik und deutsche Besetzung

Gegen die deutsche Besetzung kämpften viele Partisanen.[ © Wikimedia, gemeinfrei ]
Partisanen in Weißrussland 1943

Aus dem verbliebenen östlichen Teil Weißrusslands wurde die Weißrussische Sozialistische Sowjetrepublik. Sie gehörte 1922 zu den Gründungsmitgliedern der Sowjetunion. Obwohl Weißrussland einerseits recht große Autonomie genoss, wurden die Entwicklungen in der Sowjetunion auch in Weißrussland umgesetzt. Die Landwirtschaft wurde kollektiviert, das heißt die Bauern mussten ihre Höfe abgeben und sie wurden nun gemeinschaftlich bewirtschaftet. Russisch wurde Amtssprache.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges besetzte die Sowjetunion 1939 den zu Polen gehörenden östlichen Teil Weißrusslands und gliederte ihn wieder ein.

1941 eroberten deutsche Truppen das Land. Viele Partisanen (bewaffnete Kämpfer) kämpften gegen die deutsche Besetzung. Erst Mitte 1944 eroberte die Sowjetunion das Gebiet vollständig zurück. Viele Menschen starben, die Städte wurden beim Rückzug fast alle zerstört.

Weißrussland lag im Westen der Sowjetunion.[ © Shadowfox / CC BY-SA 3.0 ]
Weißrussland innerhalb der Sowjetunion

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Land wieder aufgebaut und  die Industrialisierung begann. Vor allem Maschinenbau und chemische Industrie wurden gefördert.

1986 war Weißrussland besonders schwer durch die Katastrophe von Tschernobyl in der Ukraine betroffen. Weite Teile des Landes wurden radioaktiv verseucht.

Am 26. August 1991 erklärte Weißrussland mit dem Zerfall der Sowjetunion seine Unabhängigkeit.

Stanislau Schuschkewitsch[ © Mariusz Kubik / CC BY-2.5 ]
Stanislau Schuschkewitsch

Erste Jahre der Unabhängigkeit (1991-1994)

Stanislau Schuschkewitsch wurde zum ersten Präsidenten des unabhängigen Weißrussland. Wirtschaftlich begann eine schwere Zeit. Der alte Handelspartner fiel weg, die Inflation war sehr hoch, Reformen wurden nur zögerlich durchgeführt.

Ende 1993 warf man Schuschkewitsch und vielen anderen Politikern Korruption vor. Dem Komittee zur Untersuchung von Korruption stand Alexander Lukaschenko vor. Später stellte sich heraus, dass die Vorwürfe gegen Schuschkewitsch falsch waren. Doch er verlor eine Vertrauensabstimmung und wurde bis zur nächsten Wahl durch den Kommunisten Metschyslau Hryb ersetzt.

Alexander Lukaschenko 2015[ © Serge Serebro, Vitebsk Popular News / CC BY-SA 4.0 ]
Alexander Lukaschenko 2015

Präsident Lukaschenko (seit 1994)

Im Juli 1994 wurden erstmals in Weißrussland direkte Präsidentschaftswahlen durchgeführt. Alexander Lukaschenko gewann die Wahl und wurde neuer Präsident. Die weißrussische Variante seines Namens lautet Aljaksandr Lukaschenka. Er regiert Weißrussland bis heute, nunmehr in der fünften Amtszeit. Die zuvor geltende Beschränkung auf maximal zwei Amtszeiten wurde aufgehoben.

In Westeuropa gilt Lukaschenkos Politik als autoritär und undemokratisch. Er selbst wird als "letzter Diktator Europas" beschrieben. Auch die Wahlen werden von westlichen Beobachtern als unfair beschrieben. Politische Gegner werden verfolgt, die Pressefreiheit ist stark eingeschränkt. Eine eigene Jugendorganisation und eine Massenpartei wurden zur Unterstützung von Lukaschenkos Politik gegründet.

Politisch und wirtschaftlich schloss sich Weißrussland unter Lukaschenkos Regierung wieder stark an Russland an, auch wenn die Beziehungen sich zwischendurch immer wieder abkühlten.

Wirtschaftlich erholte sich das Land ab Ende der 1990er Jahre.

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letzte Aktualisierung am 11.01.2018